Wettlauf gegen die Zeit in Haiti
Mit Hilfe von Sicherheitsleuten werden internationale Hilfsgüter verteilt. (Keystone)
Deza-Mitarbeiter Hans-Peter Lenz in Haiti
Die seit Jahrzehnten instabile politische Lage und die prekäre wirtschaftliche Situation Haitis haben grossen Teile der Bevölkerung verelenden lassen. Der grösste Teil der neun Millionen Einwohner lebt von einem Dollar am Tag. Mehr
Die Regierung in Haiti hat den Notstand im Land ausgerufen. Die Massnahme gelte voraussichtlich bis Ende Monat, sagte der haitianische Ministerpräsident Jean-Max Bellerive in der Hauptstadt Port-au-Prince. Laut Bellerive sind bisher etwa 70'000 Leichen in Massengräbern beigesetzt worden. Die Suche nach Überlebenden gehe weiter.
Hilfe erreicht langsam die Überlebenden
Die Verteilung der Hilfsgüter in der Hauptstadt verbessert sich langsam. Doch noch immer erreichten Wasser, Nahrung sowie Medikamente die hungernde und durstende Bevölkerung nur sehr schleppend, wie der deutsche Journalist Stephan Bachenheimer gegenüber Schweizer Radio DRS erklärte.
Grund dafür seien nicht einfach nur Mängel bei der Logistik. Es fehle einfach an der Infrastruktur, die nicht mehr da sei. Bachenheimer hält sich in Port-au-Prince auf.
Kaum ein Durchkommen in die Vororte von Port-au-Prince
Langsam wird auch das schwere Ausmass der Verwüstung in anderen Gebieten westlich und südlich der Hauptstadt klar. Diese Gebiete waren noch näher beim Epizentrum des Erdbebens. Dorthin seien die internationalen Helfer noch nicht vorgedrungen, sagte Bachenheimer. Es sei das Schlimmste zu befürchten.
Wettlauf gegen die Zeit
Vereinzelt gibt es Berichte von Menschen, die noch immer lebend aus den Trümmern geborgen werden. Solche Meldungen werden aber immer seltener.
Derweil steigt die Gefahr für jene, die seit Tagen mit schweren Brüchen oder offenen Wunden auf einen Arzt warten, meist unter freiem Himmel. Wenn nicht binnen weniger Stunden zusätzliches Personal und auch Material eintreffe, dann sterbe rund ein Drittel dieser schwer verletzten Patienten, sagen Hilfsorganisationen.
Unklare Sicherheitslage in Port-au-Prince
Über die Sicherheitslage in Port-au-Prince gibt es unterschiedliche Informationen. Während die Nachrichtenagentur AP von massiven Ausschreitungen, Schiessereien und Plünderungen berichtet, sagte der Journalist Bachenheimer, die Lage in Port-au-Prince sei aufs Ganze gesehen noch immer erstaunlich ruhig. Plünderungen seien die Ausnahme. Der Grossteil der Bevölkerung warte geduldig auf Hilfe.
Menschen flüchten aufs Land
Auf improvisierten Märkten gebe es wieder einige Lebensmittel zu kaufen, die seien aber zwei- bis dreimal so teuer wie vor dem Erdbeben, so Bachenheimer. Die meisten Menschen könnten sich das nicht leisten.
Auf der Suche nach Trinken, Essen und Unterkunft verlassen nun offenbar Tausende die Krisenregion, um bei Verwandten und Bekannten in weniger betroffenen Gebieten Hilfe zu finden. (bat/batf, dpa/ap)
Mehr zu den Stichwörtern:
