Die Energierevolution ist möglich
Bei den grünen Technologien hat das immer wieder als Umweltsünder gescholtene China inzwischen die Nase vorn und verdient damit mehr als jedes andere Land der Welt. Zu diesem Schluss kommt eine Studie der deutschen Beraterfirma Berger im Auftrag des WWF.
Von 2008 bis Ende 2010 ist demnach die Herstellung alternativer Technologien in China um erstaunliche 77 Prozent gewachsen. Insgesamt habe dieser Zweig in China inzwischen einen Wertumfang von 45 Milliarden Euro pro Jahr. Dies sind 1,4 Prozent des chinesischen Bruttoinlandsprodukts. Damit steht die Volksrepublik auf Platz 2 hinter Dänemark, das 3,1 Prozent seines BIP mit Technologien zur umweltschonenden Energieerzeugung verdient.
Laut einer Grundlagenstudie des Weltklimarates (IPCC) könnten bis im Jahr 2050 etwa drei Viertel der weltweit verbrauchten Energie aus alternativen Quellen stammen. Voraussetzung sind optimale politische Bedingungen und hohe Investitionen für Erneuerbare Energien.
Das geht aus einem 900 Seiten umfassenden Report des IPCC hervor, dessen Hauptergebnisse in Abu Dhabi in den Vereinigten Arabischen Emiraten präsentiert wurden. Für den Bericht hatten 120 Forscher den Stand der Literatur zusammengefasst.
85 Prozent fossile Energieträger
Im Jahr 2008 - aus diesem Jahr stammen die jüngsten, vom IPCC verwendeten Daten - machten die fossilen Rohstoffe Kohle, Öl und Gas rund 85 Prozent der genutzten Energie aus, die Atomkraft lag bei 2 Prozent.
Die Erneuerbaren Energien boten insgesamt knapp 13 Prozent. Knapp die Hälfte davon (6 Prozent) entfielen allerdings auf traditionelle Holz- und Dungverbrennung, rund 4 Prozent auf effizientere Bio-Energie wie moderne Holzschnitzelanlagen und Biotreibstoff. Es folgen Wasserkraft (2,3 Prozent), Windkraft (0,2 Prozent), Solarenergie und Erdwärme (je 0,1 Prozent) sowie Meeresenergie (0,002 Prozent).
Auch 2050 noch fossile Brennstoffe
Die modernen Erneuerbaren Energien werden laut dem Report immer günstiger und haben starke Zuwachsraten. Der IPCC hat 164 Zukunftsszenarien berechnet, die verschiedene politische und wirtschaftliche Ausgangsdaten hatten und vier beispielhafte davon genauer analysiert.
Das Ergebnis: Auch in rund 40 Jahren kann die Menschheit nicht völlig auf Kohle, Gas und Erdöl verzichten. Je nach Unterstützung durch Politik und Wirtschaft können die Erneuerbaren Energien bis 2050 aber einen Anteil von bis zu 77 Prozent erreichen.
Grosse Investitionen nötig
In den vier beispielhaften Szenarien gingen die Forscher für den Zeitraum 2011 bis 2020 von Investitionen in Höhe von 1360 bis 5100 Milliarden US-Dollar aus. Für das folgende Jahrzehnt waren es 1490 bis 7180 Milliarden US-Dollar.
Das Geld müsse aus einem weiten Spektrum an Finanzquellen von Politik und Wirtschaft kommen. Laut IPCC werden die Kosten für die Erneuerbaren Energien jedoch nicht höher sein als ein Prozent des weltweiten Bruttosozialproduktes.
Neue Kosten-Nutzen-Rechnung
Derzeit würden die künftigen Gewinne der Erneuerbaren Energien oftmals zu wenig in die Kalkulationen einbezogen. Zudem würden die «Nebenkosten» der fossilen Energien wie Forcierung des Klimawandels und Gesundheitsschäden zu gering angesetzt.
«Der Report zeigt, dass es wissenschaftlich keine Probleme gibt, die Welt mit alternativen Energien zu versorgen», sagte Mitautor Sven Teske von Greenpeace International.
«Technisch könnten die 560 Gigatonnen (Milliarden Tonnen) Kohlendioxid mit Erneuerbaren Energien eingespart werden, die wir brauchen, um die Erderwärmung auf zwei Grad zu begrenzen», sagte er mit Blick auf den Jahresausstoss 2050. Daneben müsse die Waldzerstörung zurückgehen, die zu rund 20 Prozent zum Kohlendioxidausstoss beiträgt.
Widerstand von Ölnationen
Vertreter von mehr als 100 Ländern hatten von Donnerstag bis Montag um jeden Satz der 30-seitigen Zusammenfassung des Reports für Politiker gerungen, bevor sie verabschiedet wurde. Insbesondere Brasilien sowie die Ölstaaten Saudi-Arabien und Katar hatten nach Angaben von Greenpeace die Verhandlungen immer wieder verzögert und Kernaussagen des Reports in der Kurzfassung für Politiker verwässert. (pet, sda/dpa)
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