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Mittwoch, 15.2.2012

Weltbank-Chef Zoellik geht Ende Juni

Die Gerüchteküche brodelte längst, jetzt schafft der Präsident der Weltbank, Robert Zoellick, Fakten. Der 58-Jährige gibt sein Amt Mitte Jahr ab. Auf den Nachfolger warten dicke Probleme.

Weltbank-Präsident Robert Zoellik. (Archiv Keystone)

Die Weltbank muss sich mitten in der Schuldenkrise einen neuen Chef suchen. Präsident Robert Zoellick hat seinen Rückzug angekündigt. Er werde zum Ende seiner fünfjährigen Amtszeit am 30. Juni aufhören, teilte die internationale Organisation für Entwicklungshilfe am Mittwoch in Washington mit.

Er übergebe die Weltbank «stark, gesund und für neue Herausforderungen gut positioniert», sagte der 58-Jährige laut der Mitteilung. Daher sei nun der «natürliche Zeitpunkt» für eine neue Führung an der Weltbank-Spitze gekommen.

Mehr Schlagkraft
Der amerikanische Ex-Politiker Zoellick hatte die Leitung der Weltbank 2007 übernommen, nachdem sein Vorgänger Paul Wolfowitz wegen einer Günstlingsaffäre zurückgetreten war. In seiner Amtszeit kämpfte die Sonderorganisation der Vereinten Nationen unter anderem mit den globalen Folgen der schwersten Rezession seit dem Zweiten Weltkrieg sowie massiv steigender Rohstoff- und Lebensmittelpreise.

Zoellick verschaffte der Bank mehr Schlagkraft: Vor knapp zwei Jahren überzeugte er die Anteilseigner der Entwicklungsbank, einer Kapitalerhöhung von fünf Milliarden Dollar zuzustimmen, um den neuen Herausforderungen gerecht zu werden. Zudem leitete Zoellik eine Vielzahl von Reformen ein. Er sei sehr zufrieden, dass die Bank heute «schneller, effektiver und offener» sei.

Hillary Clinton als mögliche Nachfolgerin?
Mit seiner Abschiedsankündigung eröffnete Zoellick, der vom damaligen US-Präsidenten George W. Bush ernannt worden war, offiziell die Nachfolgersuche. Bereits im Vorjahr hatten in US-Medien Gerüchte die Runde gemacht, die derzeitige US-Aussenministerin Hillary Clinton könnte Interesse haben.

Die Finanznachrichtenagentur Bloomberg brachte zudem im Januar den ehemaligen Wirtschaftsberater von Präsident Barack Obama, Lawrence Summers, ins Spiel.

Schulden- und Nahrungsmittelkrise
Seinem Nachfolger übergibt Zoellick grosse Sorgen vor den möglichen globalen Auswirkungen der europäischen Schuldenkrise. Auch die Nahrungsmittelkrise in der Welt ist nach seinen Worten noch nicht ausgestanden.

Zoellick kündigte an, bis zum Ende seiner Präsidentschaft «100 Prozent fokussiert» auf seine Aufgaben zu bleiben. In Kürze etwa wolle er eine Weltbank-Studie über die Zukunft Chinas veröffentlichen.

Amt bisher in amerikanischer Hand
Im Gegenzug zur europäischen Besetzung an der Spitze des Internationalen Währungsfonds (IWF) wurde die Weltbank als Schwesterorganisation bisher traditionell von einem Amerikaner geführt. Allerdings hatte die Organisation im vergangenen Jahr einen neuen, offeneren Auswahlprozess verabschiedet.

Die Weltbank steht nicht ganz so stark im Licht der Öffentlichkeit wie der IWF. Ursprünglich war ihr Ziel, nach dem Zweiten Weltkrieg den Wiederaufbau zu fördern und in Zusammenarbeit mit dem IWF stabile Währungen zu schaffen. Seit den 1960er Jahren liegt ihre Hauptaufgabe in der Entwicklungshilfe. (bru, dpa/reuters)

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