Vorerst kein Goldrausch im Bündner Oberland
Die Bevölkerung in Medel setzt nicht auf Goldgräber sondern auf einen Nationalpark und sanften Tourismus. (Keystone)
Von den 274 Abstimmenden in Medel entschieden sich 181 gegen die Bewilligung, 90 stimmten ihr am Sonntag zu. Gemeindepräsident Peter Binz erklärte gegenüber dem Regionaljournal, die bestehende Suchbewilligung sei bis Ende Juni verlängert worden und laufe in Folge des Volksentscheids auch dann aus.
Wie es weitergehe, werde nun geprüft. Es liege auch an der Firma SwissGold Exploration, ob sie einen neuen Anlauf wagen wolle. Was den Ausschlag für den Negativentscheid gegeben habe, sei nicht klar, sagt Gemeindepräsident Peter Binz. «Einigen hat wohl die Konzessionärin nicht gepasst, andere hätten grundsätzliche Bedenken gehabt.»
Ja zur Natur
Für Hans F. Schneider, Präsident von Pro Natura Graubünden, ist das Nein der Medelser zum Gold ein Ja zur Natur, etwa zum geplanten Nationalpark Adula, der von Chiasso bis eben Medel beim Lukmanier gehen soll. Und dies beisse sich mit dem Abbau von Gold. Im Vordergrund stehe eher sanfter Tourismus.
Auch Peter Binz hofft auf solche Projekte und weitere Vorschläge aus der Bevölkerung, denn es gehe darum, neue Arbeitsplätze zu schaffen, um die Abwanderung von jungen Leuten zu verhindern.
Gesuch für Probebohrungen
Die SwissGold Exploration, ein Tochterunternehmen des kanadischen Goldsuchunternehmens NV Gold, wollte nach dem Erhalt der Bewilligung im Bündner Oberland weitere Gesteinsproben entnehmen, um dem Gold auf die Spur zu kommen. Solche Unternehmen sind geologisch ausgerichtet, also Expertise- Dienstleister.
Die Ausbeutung eventueller Goldvorkommen übernehmen andere Firmen. Im Val Medel wäre der Abbau unter Tage - in Stollen also - erfolgt.
Dass es im Bündner Oberland Gold gibt, ist seit längerem bekannt. Neue Gesteinsproben vom vergangenen Herbst im Val Medel auf Gebiet der Gemeinden Medel/Lucmagn waren gemäss SwissGold Exploration denn auch ermutigend. Das Unternehmen förderte unter anderem sieben Proben mit über zehn Gramm Gold pro Tonne Gestein zu Tage. Unter Tage lohnt sich ein kommerzieller Abbau ab fünf Gramm, im Tagbau bereits ab einem Gramm Gold pro Gesteinstonne.
Weitere Gesuche sind hängig
Neben der in Medel abgelehnten Explorationsbewilligung hat SwissGold Exploration Gesuche auch in den Gemeinden Disentis, Sedrun, Sumvitg und Trun eingereicht.
Gold ist im Bündner Oberland ein Thema, seit Geologen 1983 in der Lukmanier-Schlucht goldhaltiges Erz entdeckten. Die Region gilt neben dem Napfgebiet in den Kantonen Luzern und Bern als die goldhaltigste der Schweiz.
Zu einem kommerziellen Abbau kam es bislang nicht. Die einzigen, die sich über prächtige Goldfunde freuten, sind Goldwäscher. 1997 fischte einer einen Klumpen von 123 Gramm aus dem Rhein bei Disentis. Im Sommer 2000 stiess ein Glückspilz auf insgesamt 1,3 Kilogramm Gold, darunter auf eine mit rund 400 Gramm Gold überzogene Quarzplatte, die im Bündner Naturmuseum in Chur ausgestellt ist. Es handelt sich um den grössten Goldfund der Schweiz. (sda,milt)
