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Dienstag, 24.4.2012

AI: Muslime werden in Europa benachteiligt

Amnesty International kritisiert eine weitreichende Diskriminierung von Muslimen in Europa. Kopftuch, Bärte, Minarette - öffentlich sichtbare Bekenntnisse von Muslimen zu ihrer Religion seien in Europa oft nicht gern gesehen.

Istanbul im Sommer 2010: Islam ist vielseitiger als sich viele in Europa vorstellen können. (Keystone Archiv)

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International mahnt, Muslime sähen sich in Europa täglich Stereotypen und Vorurteilen ausgesetzt und würden an vielen Orten stark in ihren Menschenrechten eingeschränkt. Die Benachteiligungen würden vom Bildungssystem bis hinein in das Arbeitsleben reichen.

Benachteiligungen im Alltag
So sei es für muslimische Mädchen und Frauen häufig schwieriger, einen Job zu finden, wenn sie ein Kopftuch tragen. Männer mit Bart berichteten ebenfalls von Nachteilen. Auch der Bau von Moscheen und Minaretten werde in zahlreichen Ländern blockiert.

«Muslime werden dafür verantwortlich gemacht, was im Nahen Osten und in Nordafrika passiert», erzählt etwa ein Muslim, der in der Schweiz lebt. Deshalb seien sie häufig direkten Anschuldigungen auf der Strasse, aber auch versteckter Diskriminierung ausgesetzt.

Appell an Regierungen
Der Bericht von Amnesty International konzentriert sich auf Belgien, Frankreich, die Niederlande, Spanien und die Schweiz. Er wirft den Regierungen vor, die Diskriminierung zum Teil durch gesetzliche Bestimmungen mitzuverursachen.

Amnesty appelliert an die Regierungen, keine gesetzlichen Restriktionen wie etwa ein Kopftuch-Verbot auszusprechen. Jedem Menschen müsse es möglich sein, seine Religion frei auszuleben. «Religiöse und kulturelle Symbole zu tragen gehört zum Recht des Menschen auf freie Meinungsäusserung», sagt Marco Perolini, der bei Amnesty für Fragen der Diskriminierung zuständig ist.

«In vielen Ländern Europas ist die Ansicht weit verbreitet, dass der Islam akzeptabel ist, solange Muslime nicht allzu sichtbar sind», beklagte Perolini. Die Politik sei in der Pflicht, solchen Einstellungen entgegenzutreten.

Beim Bau von Minaretten habe vor allem die Schweiz seit 2010 strenge Regulierungen. Damit schüre sie anti-islamische Stereotype und stelle sich gegen internationale Verpflichtungen. Im spanischen Katalonien gebe es ähnliche Probleme. (bat;bru, sda/dpa)

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