Charles Taylor: Ein brutaler Schlächter
In der Verhandlung gab sich der Kriegsverbrecher stets unschuldig. (Keystone)
Der liberianische Ex-Präsident Charles Taylor wirkte in Den Haag meist wie ein erfolgreicher, europäisch orientierter Geschäftsmann und kaum wie ein blutrünstiger afrikanischer Warlord, der Leid und Verzweiflung über unzählige Menschen gebracht hat. Nun wurde der 64-Jährige vom Uno-Sondertribunal zu Sierra Leone schuldig gesprochen. Damit ist er das erste afrikanische Staatsoberhaupt, das von einem internationalen Gericht zur Verantwortung gezogen wird.
Herzen der Getöteten aufessen
In insgesamt elf Punkten war der Mann angeklagt. Eine Liste wie aus dem Horrorkabinett. Sie reicht von Mord, Vergewaltigung, Versklavung und Rekrutierung von Kindersoldaten bis hin zu Verbrechen gegen die Menschlichkeit.
Angeblich hat Taylor das Blut eines eigens dafür erschossenen Bauern getrunken, bevor er als Rebell in den Kampf zog. Unbesiegbar wollte er werden. Später soll er seine Mitkämpfer dazu aufgefordert haben, die Herzen der Männer und Frauen zu essen, die sie gerade barbarisch getötet hatten.
Aus welchem Holz der Machthaber geschnitzt ist, zeigte sich auch in seinem Wahlslogan von 1997: «Er hat meine Mutter getötet, er hat meinen Vater getötet, aber ich stimme trotzdem für ihn», hiess es da provokant.
Totenkulte und Kannibalismus
In Den Haag, wo der Prozess aus Sicherheitsgründen stattfand, präsentierte sich Taylor hingegen stets als Unschuldslamm. «Alles Lügen, Lügen und nochmals Lügen», machte er vor laufenden TV-Kameras seinem Ärger Luft. Kein brutaler Verbrecher sei er, sondern ein gütiger Vater von rund einem Dutzend Kindern und Enkelkindern. Ein Patriot, der ohne Strom und fliessendes Wasser in einer Lehmhütte aufwuchs und nur das Beste für sein Volk gewollt habe.
Ende der 1980er Jahre war Taylor von der Elfenbeinküste aus in Liberia einmarschiert und hatte seine Heimat mit einer wahren Blutorgie überzogen. Von Totenkulten und Kannibalismus ist im Zusammenhang mit dem Bürgerkrieg immer wieder die Rede. 1997 gewann Taylor die Oberhand und wurde Staatsoberhaupt Liberias - bis er selbst 2003 von Rebellen davongejagt wurde. Die liberianischen Gräueltaten standen in dem Prozess aber nicht einmal zur Debatte.
Unschuldigen Arme und Beine abgehackt
In Den Haag ging es um das Nachbarland Sierra Leone und darum, wie Taylor seine Position als Liberias Präsident missbraucht haben soll, um dort die extrem brutale Rebellentruppe «Revolutionäre Vereinigte Front» (RUF) unter Führung ihres bizarren Chefs Foday Sankoh auszurüsten. Markenzeichen der Truppe war es war, Zivilisten Arme oder Beine abzuhacken. Laut Anklage wurde Taylor für seine Waffenlieferungen mit Rohdiamanten bezahlt und kassierte hunderte Millionen Dollar.
«Blutdiamanten» werden die wertvollen Steine auch genannt, kamen in dem durch die RUF geschürten Bürgerkrieg doch mehr als 120'000 Menschen ums Leben. Erst 1999 beendeten westafrikanische Friedenstruppen das gut ein Jahrzehnt dauernde Morden.
Campbell und Farrow im Zeugenstand
Zu den 94 von der Staatsanwaltschaft befragten Zeugen gehörten auch das britische Topmodel Naomi Campbell, die US-Schauspielerin Mia Farrow und der südafrikanische Ex-Präsident Nelson Mandela. Campbell gab zu, 1997 nach einem Benefiz-Dinner in Kapstadt Diamanten geschenkt bekommen zu haben, die «angeblich» von Ex-Diktator Charles Taylor stammten.
Mit Sicherheit könne sie aber nicht sagen, ob die «schmutzig aussehenden Steine» tatsächlich von dem damaligen Präsidenten Liberias in ihr Zimmer geschickt worden seien, betonte sie - sehr zum Unmut von Chefanklägerin Brenda Hollis, die gehofft hatte, Taylor dank der Superzeugin schwer zu belasten.
Nach dem Schuld-Urteil gilt es als wahrscheinlich, dass die Verteidigung Berufung einlegen wird. Hält das Urteil vom 26. April bestand, wird Taylor nach Grossbritannien überführt um dort seine Haftstrafe abzusitzen. (pet, dpa)
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