Chens Familie wurde angeblich bedroht
Ein undatiertes Porträt des blinden Aktivisten Cheng Guangcheng (Reuters Archiv)
Sechs Tage nach seiner dramatischen Flucht aus dem Hausarrest hat der blinde chinesische Anwalt Chen Guangcheng die US-Botschaft in Peking wieder verlassen.
Kurz nach dem Verlassen der US-Botschaft erhob Chen schwere Vorwürfe gegen die chinesischen Behörden. Der Nachrichtenagentur AP sagte er per Telefon aus dem Spital, chinesische Stellen hätten damit gedroht, seine Frau totzuschlagen, sollte er nicht aus der Botschaft kommen.
Er widersprach damit sowohl den USA als auch China, die von einem freiwilligen Schritt gesprochen hatten.
Nun doch ins Exil?
Den Schutz der US-Diplomaten hatte Chen zuvor verlassen, nachdem ihm Sicherheitszusagen gemacht wurden. Er sollte medizinische Versorgung erhalten, mit seiner Familie wiedervereint werden und eine Universitätsausbildung in einer sicheren Umgebung absolvieren können. Nun fürchte er aber um seine Sicherheit und wolle China verlassen, sagte er am Telefon.
US-Aussenministerin Hillary Clinton, die sich seit Mittwoch zu politischen Gesprächen in Peking aufhält, sagte, die USA stünden weiter an Chens Seite. Sie würden sein Schicksal und das seiner Familie aufmerksam verfolgen.
Diplomatische Verwicklungen
Die Flucht Chens vor einer Woche aus einem 20-monatigen Hausarrest in die US-Botschaft hatte für diplomatische Verwicklungen gesorgt. Das chinesische Aussenministerium kritisierte den amerikanischen Schutz für Chen als «eine Einmischung in die inneren Angelegenheiten Chinas, die wir niemals akzeptieren werden».
Kritik an Ein-Kind-Politik
Der seit seiner Kindheit blinde Bürgerrechtler Chen ist einer von zahlreichen autodidaktischen Anwälten, die sich in China in Menschenrechtsfragen engagieren und Betroffene beraten.
Der 40-Jährige zog vor allem mit Kritik an der Ein-Kind-Politik den Zorn der chinesischen Führung auf sich. Er hatte erzwungene späte Abtreibungen und Sterilisierungen von Frauen aufgedeckt.
Heikles Thema in US-Wahlkamfp
Das Tauziehen um Chen drohte die in dieser Woche geplanten Regierungskonsultationen zwischen den USA und China zu belasten. Neben Clinton wird auch US-Finanzminister Timothy Geithner in Peking erwartet.
Der Fall hätte auch Auswirkungen auf die Innenpolitik beider Länder haben können: US-Präsident Barack Obama kämpft um seine Wiederwahl im November. Die Republikaner könnten Obama vorwerfen, nicht genug für Chens Sicherheit zu tun. (luek, reutes/dpa/sda/afp/dpad)
Mehr zu den Stichwörtern:
