Noch kein Entscheid in Serbien
Amtsinhaber Boris Tadic liegt knapp vor Herausforderer Nikolic. Wer Präsident wird, wird in einer Stichwahl ermittelt. (Keystone)
Der pro-europäischen Amtsinhaber Boris Tadic und der nationalistische Herausforderer Tomislav Nikolic gehen in die Stichwahl um das serbische Präsidentenamt. Nach Auszählung der Ergebnisse aus 1000 der 8000 Stimmlokale lag Tadic in der Nacht zum Montag mit einem Stimmenanteil von 26,7 Prozent knapp vor Nikolic mit 25,5 Prozent.
Bei den gleichzeitig durchgeführten Parlamentswahlen lag Nikolics Serbische Fortschrittspartei (SNS) dagegen mit 24,7 Prozent in Führung. Tadics Demokratische Partei kam auf 23,2 Prozent. Tadics Partei kann möglicherweise dennoch die neue Regierung bilden, weil sie grössere Chancen auf Unterstützung durch andere Parteien hat.
Die Sozialisten des bisherigen Innenministers Ivica Dacic können laut Hochrechnungen des Meinungsforschungsinstituts CESID mit 16,6 Prozent der Stimmen rechnen. Der Partei des früheren Präsidenten Slobodan Milosevic kommt damit vermutlich die Rolle des Züngleins an der Waage zu.
Die Beteiligung an den Parlaments- und Präsidentschaftswahlen lag nach Angaben von Wahlbeobachtern bei rund 60 Prozent.
Abwarten der Stichwahl
«Serbien wartet ungeduldig auf Veränderungen, auf die Veränderungen, die notwendig sind», sagte der 60-jährige Nikolic nach Abgabe seiner Stimme. Er rechne damit, dass spätestens nach der zweiten Runde der Präsidentschaftswahlen offen über den künftigen Kurs des Landes diskutiert werden könne. Die Stichwahl findet am 20. Mai statt.
Der 54-jährige Tadic gab sich sowohl für das Duell mit seinem Rivalen Nikolic als auch für die Regierungsbildung zuversichtlich: «Ich rechne damit, dass Serbien seinen Weg der Reformen fortsetzen wird.»
Auch der Sozialistenchef Dacic zeigte sich optimistisch. «Wir wissen noch nicht, wer Präsident wird, aber wir wissen schon sicher, wer Ministerpräsident wird», sagte Dacic, der damit sich selbst meinte.
Europakurs wichtiges Thema
Bei den Wahlen ging es insbesondere um den Europakurs des Landes. Tadic hat sich für eine rasche Aufnahme Serbiens in die Europäische Union ausgesprochen. Nikolic sagte, er wolle das Land «im Westen und im Osten» verankert sehen. Allerdings solle Serbien kein EU-Mitglied werden, wenn die Union verlange, dass das Land seinen Anspruch auf Kosovo aufgebe.
Nikolic beschreibt sich selbst als pro-europäisch. Beobachter in Serbien und im westlichen Ausland haben daran Zweifel geäussert, weil der Politiker noch vor wenigen Jahren erklärte, er wolle Serbien lieber als russische Provinz sehen denn als EU-Mitglied.
Die schwierige Wirtschaftslage im Euroraum hat den Wunsch der Serben nach einem baldigen Beitritt zur Union zudem abkühlen lassen. (basn;bat, sda/dapd/afp)
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