Ukraine sagt Jalta-Konferenz ab
Nach Absagen fast aller Staatschefs hat die Ukraine den ursprünglich noch für diese Woche geplanten Mitteleuropa-Gipfel verschoben. Ein neuer Termin für das Treffen in Jalta steht noch nicht fest.
Mindestens zehn europäische Staatschefs hatten eine Absage für den Gipfel am Schwarzen Meer am Freitag und Samstag übermittelt. Wegen des heftigen Streits um Oppositionsführerin Julia Timoschenko fordern viele Politiker auch einen Boykott der Fussball-Europameisterschaft im Juni in der Ukraine. Die EU-Kommission bleibt den Spielen in der Ex- Sowjetrepublik demonstrativ fern.
Deutscher Arzt in Charkow
Zur medizinischen Behandlung von Timoschenko traf unterdessen ein Spezialist der Berliner Charité-Klinik in Charkow rund 450 Kilometer östlich der Hauptstadt Kiew ein. Der Neurologe sollte den Transport der 51-Jährigen in ein Spital begleiten und mit der Therapie beginnen, sagte die ukrainische Vize-Gesundheitsministerin.
Timoschenko lehnte aber nach einem Gespräch mit Harms in ihrer Gefängniszelle die vorgesehene Verlegung vorerst ab. Die 51-Jährige habe erklärt, sie müsse sich zunächst mit Anwälten beraten, teilte die Strafvollzugsbehörde in Charkow mit.
Laut dem deutschen Arzt sei Timoschenko blass gewesen und habe einen kränklichen Eindruck auf ihn gemacht. Seiner Einschätzung nach reiche eine rein medikamentöse Behandlung nicht aus, sagte Harms an einer Medienkonferenz.
Unterschiedliche Diagnosen
Timoschenko klagt seit Monaten über einen Bandscheibenvorfall. Ukrainische Ärzte hatten nach einer Untersuchung der früheren Regierungschefin in ihrer Gefängniszelle am Montag den Gesundheitszustand der Politikerin als «befriedigend» bezeichnet. Dagegen sagten Anwälte, ihre Mandantin sei geschwächt.
Vergangene Woche hatten sich Ärzte der Charité mit Timoschenko auf eine Behandlung in der Klinik von Charkow verständigt. Das Angebot der deutschen Regierung, die Führerin der prowestlichen Orangenen Revolution von 2004 in Deutschland zu pflegen, lehnt Kiew ab.
Timoschenko war im Oktober 2011 wegen eines angeblich unvorteilhaften Gasvertrags mit Russland zu sieben Jahren Gefängnis verurteilt worden. Beobachter werfen Staatspräsident Viktor Janukowitsch vor, seine politische Rivalin «kaltstellen» zu wollen. (fors,sda/dpa)
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