Gutes Kita-Personal - verzweifelt gesucht
Kleinkindbetreuung in einer Krippe: Qualifiziertes Personal wird vielerorts gesucht. (Keystone)
Von Inlandredaktorin Monika Zumbrunn
Es ist eine verkehrte Welt: Die Nachfrage nach externen Betreuungsplätzen für Kinder ist gross und dennoch schliesst die Kindertagesstätte Tandem in Zürich zwei ihrer Gruppen. Rund zwei Dutzend Plätze gehen verloren.
Der Mangel an qualifiziertem Personal zwinge sie zu diesem Schritt, sagt Geschäftsleiterin Sibylle von Siebental. Die Suche nach Fachpersonen mit einer dreijährigen Grund-Ausbildung sei frustrierend. «Wenn sie eine Stelle ausschreiben und zwei Bewerbungen bekommen, können sie sich schon glücklich schätzen», sagt von Siebenthal. Das sei gravierend, denn ihre Kita suche derzeit in allen acht Häusern nach Personal.
Problem ist auch hausgemacht
Beim Verband Kindertagesstätten der Schweiz geht man davon aus, dass sich der Personalmangel in Zukunft noch verschärft. Derzeit sei der Personalmangel vor allem im Raum Zürich spürbar, sagt die Verbandspräsidentin, SP-Nationalrätin Hildegard Fässler. «Es wird sich aber vermutlich schon ausbreiten, wenn die Dichte an Kindertagesstätten zunimmt.» Und davon ist auszugehen, denn der Bund will auch in den kommenden zwei Jahren neue Kitas mit einem finanziellem Zustupf fördern.
Grund für den Personalmangel ist aber nicht einzig die rasante Zunahme von Kindertagesstätten. Der Mangel ist auch hausgemacht, denn viele junge Frauen und auch Männer blieben nach Lehrabschluss nur zwei, drei Jahre auf dem Job, heisst es beim Dachverband der Kindertagestätten. Die einen bilden sich danach weiter, die anderen geben auf.
Kleinkinderzieherin sei ein anspruchsvoller Beruf, sagt Sibylle von Siebentahl von der Zürcher Kindertagesstätte Tandem. Dass es dabei nur darum ginge, ein bisschen mit Kindern zu spielen, sei ein falsches Bild. Der Job sei körperlich anstrengend und die Erzieher trügen eine grosse Verantwortung, sagt von Siebenthal. Das sei 100-prozentige Konzentration während acht, neun Stunden am Tag.
Idee der Kurzausbildung kommt nicht überall an
Um den Personalmangel im Krippenbereich zu entschärfen, müssen vor allem mehr Leute ausgebildet werden - da sind sich die Fachleute einig. Ein prominenter Verfechter ist FDP-Nationalrat Otto Ineichen, der mit der Lancierung von günstigen Kinderkrippen für Aufsehen sorgte.
Ineichen will eine neue, auf zwei Jahre verkürzte Ausbildung. «Ich kämpfe für eine Attestausbildung bereits ab Herbst», sagt er. Er schlägt zudem entsprechende Weiterbildungen für Menschen über 50 vor. «Dann können wir das Personalproblem lösen.»
Beim Dachverband der Kindertagesstätten der Schweiz ist man zwar skeptisch und wehrt sich gegen Schnellbleichen bei der Personalausbildung. Aber auch beim Krippenverband denkt man darüber nach, wie vermehrt Quereinsteigerinnen für die externe Kinderbetreuung zu gewinnen sind, damit der Personalmangel sich nicht schweizweit noch verschärft. (ank)
