Swissgrid fordert neue Stromnetze
Als Chef von Swissgrid sorgt sich Pierre Alain Graf um die Stabilität des Schweizer Stromnetzes. (Keystone)
Wirtschaftsredaktor Tobias Fässler
Die grosse Herausforderung 2011 für Swissgrid war Deutschland. Nach Fukushima beschloss die deutsche Regierung, acht Kernkraftwerke innert kürzester Zeit vom Netz zu nehmen. Das hatte einen grossen Einfluss auf die Stromflüsse in ganz Europa und auch der Schweiz.
Schweizer Netz ausbauen?
Das Stromnetz sei nicht zusammengebrochen, sagt Swissgrid-Chef Pierre Alain Graf. Doch auch die deutsche Bundesnetz-Agentur weise darauf hin, dass ein Ausbau des Stromnetzes dringend notwendig sei. Dies fordert auch die Schweizer Behörde Swissgrid. Das Netz in der Schweiz halte zwar, doch sei es immer an der Grenze zum Absturz, betont Graf.
Swissgrid fordert deshalb einen Um- und Ausbau des Stromnetzes. Allein für die Überlandleitungen - also die Hoch und Höchst-Spannungsleitungen - sind vier bis sechs Milliarden Franken veranschlagt. Eine Rechnung, die letztlich der Stromkonsument berappen muss. Dies bestätigt auch Swissgrid-Chef Graf gegenüber Schweizer Radio DRS.
Energiestiftung sieht keinen Handlungsbedarf
Der geforderte Ausbau des Hochspannungsnetzes ist allerdings umstritten. Für Felix Nipkow beispielsweise, Stromnetz-Experte der Schweizerischen Energiestiftung, reicht das Hochspannungs-Stromnetz, das wir heute haben, noch lange aus. Studien würden zeigen, dass das heutige System bis zu 20 Prozent Strom aus der Photovoltaik aufnehmen könne.
«Heute sind wir bei 0,1 Prozent», rechnet Nipkow vor. Damit sieht er noch viel Spielraum, bis die Grenzen erreicht sind. Wenn es so weit sei, könne man dann immer noch schauen, ob es neue Übertragungsleitungen für die Photovoltaik brauche. «Heute sicher nicht.»
Swissgrid beharrt auf einem Ausbau
Unabhängig davon ob und wie viel Sonnen und Wind-Energie dereinst ins Schweizer Hochspannungsnetz eingespiesen werden: Für Pierre Alain Graf von Swissgrid ist der Netz-Ausbau unabdingbar und längst fällig.
«Die Stabilität des Netzes heute lässt keine Rückschlüsse über die Stabilität in der Zukunft zu.» Aufgrund der bereits bestehenden Engpässe und der neuen Energiestrategie brauche es «klar mehr Kapazität», so Graf.
Ein Netzumbau und -ausbau braucht aber Zeit. Im letzten Jahr wurden genau Null Kilometer Hochspannungsleitungen gebaut - viele Projekte sind durch Beschwerden und Einsprachen seit Jahren blockiert. Deshalb will der Bund künftig die Einsprachemöglichkeiten einschränken.
Swissgrid setzt auf den politischen Willen
Das ist ein sensibles Thema. Das weiss auch Swissgrid Chef Graf. «Was mir nicht gefallen würde ist, wenn der Dialog und die eigentlichen Einspracherechte grundsätzlich auf Null gesetzt würden.»
Wenn man jedoch bedenke, dass in Ländern, wie beispielsweise Holland, die dichter besiedelt sind als die Schweiz, Leitungen innerhalb von drei bis fünf Jahren gebaut werden können - ohne, dass die Einspracherechte beschnitten wurden - «dann glaube ich, können wir das auch in der Schweiz tun», ist Graf überzeugt. Dazu brauche es allerdings den entsprechenden politischen Willen. (bat)
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