Kammerdiener soll Papst-Geheimnisse verraten haben
Der Angeklagte Paolo Gabriele war oft in der Nähe des Papstes, wie hier als Beifahrer (vorne rechts) im Papamobil. (Keystone Archiv)
Er war ganz nah am Heiligen Vater,so nah wie kaum jemand sonst. Der persönliche Kammerdiener von Papst Benedikt XVI., Paolo Gabriele, soll es gewesen sein, der vertrauliche Informationen aus dem Vatikan an die Öffentlichkeit gebracht hat.
Der Vatikan hat in diesem Enthüllungsskandal, der mittlerweile «Vatileaks» genannt wird, nun förmliche Ermittlungen eingeleitet. Das Verfahren führe Untersuchungsrichter Piero Antonio Bonnet, teilte Vatikansprecher Federico Lombardi in Rom mit.
Lombardi bestätigte dabei erstmals, dass es sich bei dem Verdächtigen um Gabriele handelt. Er bleibe weiter in Untersuchungshaft, sagte Lombardi. Da Gabriele im Vatikan lebe, sei auch die Gerichtsbarkeit des Vatikans zuständig.
Papst Benedikt XVI. schockiert
Gabriele sei am Mittwoch in seinem Haus im Vatikan festgenommen worden, sagte Lombardi. Im seinem Besitz hätten sich geheime Dokumente befunden. Gabriele war seit 2006 der persönliche Diener Benedikts und zählte zum engsten Kreis des päpstlichen Haushalts.
In der Öffentlichkeit war er oft an der Seite des Papstes zu sehen, etwa wenn er diesen zu seinen Generalaudienzen begleitete oder versuchte, den Pontifex vor dem Regen zu schützen. «Schwer betroffen und schockiert» sei der Heilige Vater nach den neuesten Enthüllungen, verlautete aus Kreisen um Benedikt XVI.
Es droht jahrelange Haft
Die Ermittlungen werden einige Zeit in Anspruch nehmen, sagte Lombardi. «Man darf hier nicht in kurzen Fristen denken.» Im Zusammenhang mit «Vatileaks» - eine Anspielung auf die Öffentlichmachung geheimer US-Botschaftsdepeschen auf der Enthüllungsplattform Wikileaks - gehe es um weitere Taten. Mehr sagte Lombardi dazu nicht.
Bis zu 30 Jahre Haft drohen dem Mann, dem laut italienischen Medien ein «Anschlag auf die Sicherheit des Papstes» vorgeworfen wird.
Seit Jahrhunderten war im Vatikan niemand verhaftet worden. «Der Skandal droht Benedikts Pontifikat stark zu belasten», kommentierte die römische Zeitung «La Repubblica».
Vertrauliche Dokumente in Buch veröffentlicht
In den vergangenen Monaten waren aus dem Vatikan vertrauliche Dokumente an die Medien durchgesickert. So wurden etwa interne Informationen über ein angebliches Mordkomplott gegen den Papst und das Finanzgebaren der Vatikanbank IOR bekannt.
Der Vatikan hatte die Veröffentlichungen als «Vatileaks» scharf kritisiert. Italienische Medien hatten über einen Machtkampf innerhalb der Spitze der Kurie spekuliert.
Der Vatikan prangerte auch ein Buch mit dem Titel «Sua Santità» (Seine Heiligkeit) an, das vor einer Woche erschienen war und mehrere Dokumente aus dem Kirchenstaat enthält. Der Autor, der italienische Journalist Gianluigi Nuzzi, hatte in den Medien stets betont, seine «Quellen» handelten aus Überzeugung. Weder er noch der Verleger habe irgendjemanden bezahlt. (luek, sda/dpa/afp/apa/dapd)
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