Betrugsverdacht in der Challenge League
Fussball-Wetten geben in ganz Europa zu reden, nun auch in der Schweiz. (Archiv Keystone)
Bisher ist es erst ein Verdacht, dass in der Schweizer Challenge League manipuliert wurde. Aber die Wettüberwachungssysteme des Europäischen Fussballverbandes Uefa schlugen an und meldeten von vier Partien auffällige Werte.
Robert Breiter, Chefjurist des Schweizerischen Fussball Verbandes (SFV) bestätigt diese Fälle gegenüber Schweizer Radio DRS. Sie seien der Bundesanwaltschaft übergeben worden: «Wir haben bei der Bundesanwaltschaft Strafanzeige gegen Unbekannt eingereicht.» Dies, weil die Bundesanwaltschaft mit Telefonüberwachungen und ähnlichem über ganz andere Mittel verfüge als der SFV.
Es wäre nicht das erste Mal, dass in der Challenge League manipuliert wird. Vor drei Jahren versuchten Spieler von Thun und Gossau, Partien zu beeinflussen. Damals kamen die Wettbetrüger aus Bochum.
Challenge League extrem anfällig
Robert Breiter zeigt sich nicht überrascht, dass nun erneut die zweithöchste Schweizer Spielklasse im Fokus ist. Tiefere Ligen würden es einfacher machen, zu betrügen:«Die Spieler sind dort schlechter bezahlt, was sie eher in Versuchung geraten lässt.»
Die tieferen Ligen seien auch weniger im öffentlichen Fokus. «Da gibt es zum Beispiel weniger Kameras, welche Manipulationen zumindest erschweren können», sagt Breiter.
Drei Clubs betroffen
Francesco Baranca, Anwalt der österreichischen Wett-Firma SKS365, belastet die Schweizer Challenge League schwer. SK365 ist Marktführerin im Bereich der Online Sportwetten. Ihre Hinweise haben bei den Ermittlungen im italienischen Fussballwettskandal eine wichtige Rolle gespielt. In der Sendung «Falò» im Fernsehen der italienischsprachigen Schweiz sagte Baranca: «Die Challenge League gehört in Sachen Spielmanipulation zu den meistgenannten in Europa.»
Beim Spiel Locarno-Stade Nyon hätten sich aussergewöhnliche Quotenschwankungen gezeigt. Erklärbar seien die nur mit Investitionen von über einer Million Euro aus Fernost. SKS365 hat drei Verdachtsfälle gemeldet: Die Partien Locarno-Nyon, Locarno-Delémont und Delémont-Nyon.
Keine Auswirkungen auf letzte Saison
Ob die Challenge-League-Spiele tatsächlich manipuliert waren, wird die Bundesanwaltschaft nun untersuchen. Sollten sich die Vorwürfe erhärten, wird dies kaum Auswirkungen auf die letzte Saison haben. In der Vergangenheit wurden nur die fehlbaren Spieler bestraft und nicht die Clubs.
Stefano Gilardi vom verdächtigten FC Locarno stellt gegenüber Schweizer Radio DRS klar: «Es gibt keine Hinweise auf ein falsches Verhalten der Locarno-Spieler.» Wenn es solche Hinweise gegeben hätte, dann hätte Locarno selbst Anzeige eingereicht.
Kein Tatbestand im Strafgesetzbuch
Sicher ist, dass der Kampf gegen Wettbetrüger in der Schweiz schwieriger zu führen ist, als beispielsweise in Italien. «Anders als in Italien haben wir in der Schweiz keinen Tatbestand des Sportbetrugs im Strafgesetzbuch», sagt SFV-Chefjurist Breiter.
Ein solcher Strafbestand wäre eine gute Grundlage, um das Phänomen zu verfolgen, sagt Breiter. Ganz verhindern liessen sich solche Machenschaften aber wohl nie. Harte Strafen für die Täter und Prävention für junge Spieler könnten das Phänomen etwas lindern. (graa/spre/webs)
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