SBB sucht nach Felssturz noch immer Ersatzrouten
Nach dem Felssturz bei Gurtnellen bleibt die Gotthard-Linie der SBB vorübergehend gesperrt. Nur für weniger als die Hälfte der Züge wurden Ersatzrouten gefunden. (Keystone)
Von Inlandredaktor Dominik Meier
240 Güterzüge pro Tag fallen am Gotthard aus. Für 40 habe man Ersatzrouten finden können, bilanziert Konzernchef Andreas Meyer. «Das ist das, was wir aus unserem System herausholen können.» Die SBB leitet praktisch alle Ersatzzüge über die Lötschberg-Simplon-Linie.
Österreich und Frankreich können die Schweiz mit ihren Alpentunneln kaum entlasten. Leider stehe der Brenner wegen Unterhaltsarbeiten nicht zur Verfügung, so Meyer. Und nur ein paar wenige Züge gingen über Tauern oder Frankreich.
«Das ist nicht genug»
Die SBB kann insgesamt also weniger als die Hälfte der Gotthard-Güter umleiten. Der Chef ist nicht zufrieden. Das sei auf keinen Fall genug, sagt Meyer. «Wenn wir sagen, 40 Prozent können wir abdecken, heisst das auch, bei 60 Prozent geht das nicht.»
Viele Kunden würden auf die Strasse ausweichen - und manche von ihnen dürften dort auch gleich bleiben, befürchtet Andreas Meyer. «Wenn man ein alternativen Transportkanal über längere Zeit benutzt, ist es manchmal so, dass der eine oder andere Kunde auf diesem Kanal bleibt. Das ist eine Erfahrung, die man immer wieder gemacht hat in solchen Situationen.»
Auf der Gotthard-Autobahn hält sich der zusätzliche Andrang von Lastwagen zurzeit in Grenzen. Trotzdem hat der Nutzfahrzeugverband Astag übers Wochenende Notmassnahmen verlangt vom Bundesrat. Der Verband forderte absolute Priorität für Lastwagen am Gotthard, grünes Licht für mehr Nachtfahrten und schwerere Lastwagen - 44 statt maximal 40 Tonnen.
Doch Verkehrsministerin Doris Leuthard winkt ab. «Es gibt nach unserer Einschätzung zurzeit genügend Kapazitäten, um den Lastwagentransport auf der Strasse zu unterstützen.» Die Situation werde laufend beobachtet und ausgewertet.
Spekulationen über zweite Röhre
Frühestens Ende Woche sind Sprengungen möglich im Bergsturzgebiet - danach erst ist eine Prognose möglich. Mit dem Bergsturz ist die Diskussion über einen zweiten Strassentunnel am Gotthard noch intensiver geworden. Der Bundesrat wird sich in den nächsten Wochen dazu äussern.
Doris Leuthard quittiert Gerüchte aus der Sonntagspresse, wonach sie immer mehr Sympathien für eine zweite Röhre habe, mit einem Lächeln und vier Worten. «Sie dürfen weiter spekulieren.» (ank;basn)
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