27 Millionen Menschen werden als Sklaven gehalten
In Pakistan ist Kinderarbeit keine Seltenheit. (Keystone)
«Es lässt sich sehr viel Geld verdienen mit der Ausbeutung von Menschen in Europa», sagt Dora Winkler, Medienbeauftragte der Fachstelle Frauenhandel und Frauenmigration in der Schweiz FIZ, gegenüber Schweizer Radio DRS.
«Wenn man nicht ein Opfer hat, das erzählt, was ihm geschehen ist, kann man auch keinen Täter überführen», so Winkler. Deshalb begrüsst sie, dass bei den neuen Massnahmen der EU der Opferschutz in den Fokus rückt. Dabei sei die Zusammenarbeit zwischen Opferschutz und Strafverfolgung sehr wichtig.
Menschenhandel ist eine moderne Form der Sklaverei. Auf der ganzen Welt leben bis zu 27 Millionen Menschen in sklavenartigen Verhältnissen. Das zeigt ein Bericht des US-Aussenministeriums zum internationalen Menschenhandel.
«Das Ende der Legalität der Sklaverei in den USA und anderen Staaten der Welt hat leider nicht das Ende der Sklaverei bedeutet», konstatierte US-Aussenministerin Hillary Clinton in Washington.
Moderne Form der Sklaverei
Moderne Sklaven - das sind dem Bericht zufolge Wanderarbeiter wie Kindermädchen oder Fabrikarbeiter, die mit dem Versprechen eines lukrativen Jobs in ein anderes Land gelockt werden. Andere sitzen als Zwangsarbeiter im eigenen Land fest. Es gehe um «Frauen und Männer, Mädchen und Knaben, deren Schicksal uns daran erinnert, zu welch inhumanem Handeln Menschen fähig sind», sagte Clinton.
In dem US-Bericht wird die Situation in insgesamt 185 Staaten untersucht. Nur 33 Länder erfüllen demnach vollständig alle internationalen Verpflichtungen im Kampf gegen Menschenhandel.
Viele arme Länder stark betroffen
Einer der am schlechtesten bewerteten Staaten ist Syrien, wo das Regime von Präsident Bashar al-Assad jede Opposition brutal unterdrückt. «Die syrische Regierung erfüllt nicht die Minimalbedingungen zur Beseitigung von Menschenhandel und unternimmt auch keine nennenswerten Anstrengungen in diese Richtung», heisst es in dem Bericht.
Ähnlich schlecht bewertet wurden unter anderem Algerien, Libyen, Sudan, Kuwait, die Zentralafrikanische Republik, Kuba, der Iran und Nordkorea.
EU will Menschenhändlern das Handwerk legen
Auch nach Europa bringen Täter hunderttausende Menschen gegen ihren Willen, wo sie als Prostituierte, Haushaltshilfen oder Bettler leben müssen. Die EU will den Menschenhandel mit einer neuen Strategie bekämpfen, wie sie am Dienstag ankündigte.
Dazu gehören schärfere Strafen, eine bessere Kooperation von Polizei und Justiz über die Grenzen hinweg und speziell ausgebildete Expertenteams.
Vor allem Frauen werden versklavt
«Mit unseren Massnahmen möchten wir in erster Linie sicherstellen, dass die Opfer Unterstützung erhalten und die Täter zur Rechenschaft gezogen werden», sagte EU-Innenkommissarin Cecilia Malmström zum fünfjährigen Aktionsplan.
In Europa sind schätzungsweise anderthalb Millionen Menschen betroffen. Drei Viertel der Opfer müssen als Prostituierte arbeiten. Andere müssen schwere körperliche Arbeit verrichten, werden zum Betteln gezwungen oder zwangsverheiratet. Meist sind die Opfer Frauen und Mädchen.
Härtere Strafen für Menschenhändler
Bislang seien viele Menschenhändler einer Strafe entgangen, beklagte Malmström. So wurden im Jahr 2010 lediglich 1250 Menschenhändler in der gesamten EU verurteilt - Tendenz sinkend. Oft fehlten die Beweise. Und wo kein Opfer ist, gibt es keinen Täter.
Menschenhandel soll künftig härter zu bestraft werden: Das Strafmass soll in allen EU-Ländern zwischen fünf und zehn Jahren Gefängnis liegen. Diese EU-Richtlinie müsse bis April 2013 in allen 27 EU-Ländern in nationales Recht umgesetzt sein, so Malmström. (daua;pet, sda/afp/dpa)
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