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Freitag, 22.6.2012

Eine Begegnung der besonderen Art

Für einmal treffen Griechenland und Deutschland heute Abend nicht in einer Krisensitzung zur Schuldenkrise aufeinander. In Danzig tragen die Fussballteams beider Länder den zweiten Viertelfinal der EM aus. Der Streit um Euro, Schuldenmachen und Sparpolitik schwingt auch da mit.

«Heute können wir Euch nicht retten»: Nur einer von vielen provokanten Griechenland-Titeln der «Bild» in den vergangenen Wochen. (Screenshot)

Mehr zur UEFA EURO 2012™ bei sf.tv

Von DRS-Mitarbeiter Fritz Dinkelmann

«Heute können wir euch nicht retten», titelt die «Bild»-Zeitung. Als ob das Blatt Griechenland nicht seit Monaten mit Schlagzeilen wie diesen aus dem Euroraum köpfen wollte: «‹Bild› gibt den Pleite-Griechen die Drachmen zurück» oder «Warum zahlen wir den Griechen ihre Luxusrenten?»

Griechen denken nicht ans Verkriechen
Warum sollte die «Bild» ausgerechnet heute ein Land retten wollen, das die neuen Chefs der Deutschen Bank auch ohne einschlägigen Fussballkenntnisse abgeschrieben haben: Es gebe, so meinten Anshu Jain und Jürgen Fitschen vor Tagen, «viele, viele gute Gründe» dafür, dass Griechenland die Eurozone verlassen sollte. Der vielleicht beste: «Angst um unser Geld», wie die «Bild» auch titelte.

Die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» verweist – gewohnt stilvoll – eben darauf: «Heute Abend zumindest können die Deutschen die Griechen nach deren Freudenanfall über den Viertelfinaleinzug auf die dem düsteren Zustand des Landes angemessene Gefühlslage zurückstutzen.» Mit einem 8:0 zum Beispiel, bis die Griechen so klein sind, dass ein neues Stück zu schreiben wäre: Deutscher sucht Grieche.

Aber diese Griechen denken nicht daran, sich zu verkriechen - im Gegenteil: «Griechen wetten auf eigenes Team», liess n-tv heute Morgen über den Bildschirm flimmern. Augen reiben. «Griechen wetten auf eigenes Team.»

Erste Schlussfolgerung: Die verstehen wirklich nichts von Fussball. Zweitens und noch wichtiger: Die verstehen wirklich nichts von Geld. Sonst würden sie auf Deutschland setzen. Und Angela eine Freude machen. Denn Merkel sitzt auf der Tribüne. Ein prominentes griechisches Gegenüber gibt es nicht, schliesslich haben Krawallmacher in Stadien nichts zu suchen, speziell nicht im Endstadium ihres tristen Seins, das heute Abend definitiv besiegelt wird.

Wie ein zweiter Mauerfall?
«Ein Sieg gegen die Griechen ist wie ein zweiter Mauerfall», schrieb Comedian Atze Schröder. So bleibt nur noch eine Frage: Warum heisst diese EM eigentlich die EURO? Dem Euro zum Verwechseln ähnlich. Die Eurozocker werden es wissen. (ank)

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