Rätselraten über Tatmotiv in Denver
US-Präsident Barack Obama ordnete an, die Flaggen an allen Bundesgebäuden auf halbmast zu setzen. (Keystone)
Nach der Bluttat in einem Kino nahe Denver wird in den USA über das Motiv des Todesschützen gemutmasst. Offensichtlich hatte der 24 Jahre alte Mann seine Tat schon seit längerem vorbereitet.
Er hatte in den vergangenen Monaten legal zahlreiche Waffen, massenhaft Munition und schusssichere Spezialkleidung gekauft. Diese setzte er am Freitag ein und schoss bei der Mitternachts-Vorpremiere zum neuen Batman-Film «The Dark Knight Rises» wahllos auf die Kinobesucher. Zwölf Menschen starben.
30 der insgesamt 58 Verletzten wurden nach Angaben des Gouverneurs von Colorado am Samstag noch in Spitälern behandelt. 11 befänden sich in kritischem Zustand.
Täter war ein unauffälliger Student
Der Todesschütze hatte sich Medienberichten zufolge die Haare rot gefärbt und sagte bei einer Vernehmung mit der Polizei aus, er sei der Batman-Bösewicht «Der Joker». Wie der Bewaffnete in das Kino kommen konnte, sei noch unklar, teilte die Polizei mit. Sie gehe davon aus, dass der Student der Neurowissenschaften allein gehandelt habe.
Der 24-Jährige sei der Polizei zuvor nicht bekannt gewesen, er hatte keine Vorstrafen. Am Montag soll der Mann erstmals vor Gericht erscheinen.
Kopfzerbrechen bereitete den Ermittlern die mit Sprengsätzen präparierte Wohnung des Amokschützen. Sicherheitshalber wurden neben dem Wohnhaus des Täters auch vier umliegende Apartmenthäuser evakuiert. Die komplizierte Konstruktion aus Sprengstoff und entzündlichen chemischen Substanzen beschrieb Polizeichef Oates als etwas, «was wir noch nie gesehen haben». Es könnte Tage dauern, bis die Experten sich Zutritt verschaffen können.
Forderung nach schärferen Waffengesetzen
Die Bluttat in Aurora schockte selbst hartgesottene Polizisten und Politiker. Der Gouverneur von Colorado kämpfte mit den Tränen, ebenso der Bürgermeister von Aurora. Präsident Barack Obama stand das Entsetzen ins Gesicht geschrieben, ähnlich ging es seinem republikanischen Wahl-Rivalen Mitt Romney. «Die Lehre aus diesem Tragödie ist, dass das Leben sehr zerbrechlich ist», sinnierte Obama vor der Nation.
Manchen reichten nicht aus. «Wir wollen kein Beileid», erklärte die Organisation «Brady Campaign to Prevent Gun Violence», die für schärfere Waffengesetze kämpft. «Wir wollen Taten.» So sah es auch der New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg. Er appellierte an Obama und Romney die Waffengesetze zu verschärfen.
Kinos ziehen Konsequenzen
In den US-Kinos wurden die Sicherheitsvorkehrungen verschärft. Die zweitgrösste Kinokette AMC teilte mit, dass es bis auf weiteres in ihren Häusern nicht erlaubt sei, Gesichtsmasken zu tragen oder Spielzeugwaffen mitzubringen. Vor allem Fans von Comic-Verfilmungen verkleiden sich gern wie ihre Leinwandhelden.
Regisseur tief erschüttert
Batman-Regisseur Christopher Nolan brachte seine «tiefe Trauer» über das Blutbad zum Ausdruck. In einer Mitteilung im Namen der Schauspieler und Mitwirkenden des Films sprach er von einer «sinnlosen Tragödie», wie das US-Branchenblatt «Hollywood Reporter» berichtete.
«Das Kino ist mein zu Hause. Die Vorstellung, dass jemand diesen unschuldigen und erwartungsvollen Ort derart brutal entweiht, ist einfach verheerend», führte Nolan weiter aus. (bat, sda/dpa/reuters)
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