Über 100 Tote bei Anschlagsserie im Irak
Anwohner versammeln sich in Bagdads Schiiten-Vorstand Sadr City bei zerbombten Autos. In der Nähe des Regierungsgebäudes starben 16 Menschen. (Reuters)
In einer offenbar koordinierten Anschlagsserie sind am Montag innert weniger Stunden Sprengsätze in einem guten Dutzend irakischer Städte explodiert. Bis zum Mittag meldeten die Behörden mindestens 103 Tote und fast 200 Verletzte.
Allein in Bagdad kamen über 50 Menschen ums Leben, als in der Schiiten-Vorstadt Madinat al-Sadr (Sadr City) sowie in den Vororten Husseinija und Tadschi Sprengsätze detonierten. Dabei gab es auch 88 Verletzte. Ziel der Angriffe waren meist Einrichtungen der Sicherheitskräfte sowie Regierungsgebäude.
Al-Qaida unter Verdacht
Zunächst bekannte sich niemand zu den Anschlägen, allerdings hatte das Terrornetzwerk Al-Kaida erst vor wenigen Tagen eine neue Offensive angekündigt. Das Ziel: Die Lage im Land zu destabilisieren.
Ziel sei es, «Richter und Staatsanwälte auszulöschen» und inhaftierte Aktivisten zu befreien, erklärte der Chef des Qaida-Zweiges Islamischer Staat im Irak (ISI), Abu Bakr al-Bagdadi, in einer Audio-Botschaft.
Schiite al-Samili: Regierung ist hilflos
«Al-Kaida versucht die Botschaft auszusenden, dass es weiterhin stark und in der Lage ist, Zeit und Orte für Anschläge auszuwählen», sagte der schiitische Parlamentsabgeordnete Hakim al-Samili.
Die Unfähigkeit, Geheimdienstinformationen über Terrorpläne zu sammeln, oder diese trotz Kontrollen zu stoppen, habe gezeigt, wie hilflos die Regierung sei, wenn es darum gehe, die Menschen zu schützen, sagte al Samili, der dem Sicherheits- und Verteidigungsausschuss angehört.
Tadschi: Auf die Bomben folgte Selbstmordattentat
Eine Autobombe vor dem Gebäude des Innenministeriums im schiitischen Bagdader Viertel Madinat al-Sadr riss allein 16 Menschen in den Tod.
Die folgenschwersten Anschläge wurden in der hauptsächlich von Sunniten bewohnten Stadt Tadschi, rund 20 Kilometer nördlich der Hauptstadt, verübt. Dort explodierten nach Polizeiangaben zunächst mehrere Bomben, die um fünf Häuser gelegt worden waren, bevor sich noch ein Selbstmordattentäter inmitten der zu Hilfe eilenden Polizisten in die Luft sprengte. 41 Menschen wurden getötet.
Angriff auf Soldaten in Udaim
In der nordöstlichen Stadt Udaim eröffneten Bewaffnete vor einer Kaserne aus drei Fahrzeugen das Feuer und töteten 13 Soldaten, wie die Polizei mitteilte. Die Angreifer konnten entkommen.
Ebenfalls im Nordosten, in der Provinz Dijala, wurden nach Angaben der irakischen Sicherheitskräfte bei den Explosionen mehrerer Autobomben und Sprengfallen am Strassenrand elf Menschen getötet und mindestens 25 weitere verletzt.
Neuer Höhepunkt
Der Ramadan hatte im Irak am Samstag begonnen. Die zwei Wochen davor waren vergleichsweise friedlich verlaufen, während im Juni 237 Menschen bei Anschlägen starben.
Damit hat die Gewalt im Irak im Vergleich zum Höhepunkt der Kämpfe zwischen den verschiedenen Volksgruppen 2006 bis 2007 zwar abgenommen. Seit dem Abzug der US-Kampftruppen im Dezember blieben die Spannung jedoch hoch. Dazu kommt der anhaltende politische Streit zwischen den schiitischen, sunnitischen und kurdischen Gruppen im Land. (bru, sda/dapd/afp/reuters/dpa)
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