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Freitag, 27.7.2012

Organspende-Skandal in Deutschland

Wenn der Arzt den Patienten kränker macht als er ist, dann stimmt etwas nicht. In Deutschland sind Fälle von manipulierten Patientendaten bekannt geworden. Konkret geht es um einen Organspende-Skandal an einem Göttinger Spital.

In Deutschland wurde das Thema Organspende schon vor dem Skandal breit diskutiert. (Reuters Archiv)

Von Deutschland-Korrespondent Fritz Dinkelmann

Organtransplantationen sind wie selbstverständlich geworden. Nieren, Lebern, Herzen, Lungen, Bauchspeicheldrüsen: In Deutschland wurden im Jahr 2010 5000 Organe verpflanzt. Und trotzdem sterben jeden Tag drei Menschen, weil es einen massiven Mangel an Spenderorganen gibt.

12'000 Deutsche stehen zur Zeit auf einer Warteliste, und bei allen geht es um Leben und Tod, aber im Durchschnitt warten diese Menschen fünf bis sechs Jahre auf ein Spenderorgan.

Das ist der dramatische Hintergrund für den angeblich grössten Transplantationsskandal in der Geschichte der Bundesrepublik. An der Uniklinik Göttingen werden zwei Ärzte verdächtigt, im Zusammenhang mit Organtransplantationen Patientendaten manipuliert zu haben.

Staatsanwaltschaft ermittelt
Die beiden Staatsanwaltschaften in Göttingen und Braunschweig ermitteln wegen möglichen Tötungsdelikten und dem Verdacht der Bestechlichkeit. Im Mittelpunkt der Affäre steht ein Oberarzt, der in 23 Fällen Laborwerte manipuliert und Dialyseprotokolle gefälscht haben soll, um so bestimmten Patienten - seinen Patienten - bevorzugt eine Spenderleber zu beschaffen.

Der verdächtigte Göttinger Oberarzt war bis 2008 Leberchirurg in Regensburg – und auch dort soll er für Patienten Spenderlebern beschafft haben, die gemäss Warteliste noch gar nicht an der Reihe waren.

Verbindungen ins Ausland
Wie die Ermittler behaupten hat er dabei nicht nur aus purer Menschenliebe für seine Patienten gehandelt, sondern auch, weil er in einer jordanischen Privatklinik operiert und daran verdient haben soll. Das alles soll im Rahmen einer von ihm missbrauchten Kooperation zwischen der Regensburger Uniklinik und einem Spital in Amman geschehen sein.

Wer reich ist muss nicht warten
Die Ermittlungen von Staatsanwälten in dieser Organgeschichte sind wichtig, weil es nicht sein darf, dass es auf Wartelisten bevorzugte Patienten gibt. Wobei vermögende Patienten oft gar nicht drauf stehen, weil sie sich auf den Organ-Schwarzmärkten holen, was ihr Leben retten kann. Auf den Philippinen etwa, in Pakistan oder Albanien.

Neuregelung in Deutschland anvisiert
Auch darum hat der liberale deutsche Gesundheitsminister Daniel Bahr jüngst eine Neuregelung der Organspenden vorgeschlagen. Bis jetzt gilt, dass als Organspender nur in Frage kommt, wer dem zu Lebzeiten ausdrücklich zugestimmt hat. Wenn nicht, sollen das in der Regel überforderte Angehörige entscheiden – so wie in der Schweiz auch.

Bahr hat vorgeschlagen, dass künftig die Krankenkassen alle Versicherten befragen, ob sie einer Organspende zustimmen, sie ablehnen oder sich nicht entscheiden möchten. Damit es bald mehr Lebern, Nieren und Herzen gibt. (wedj;pet)

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Radiobeitrag von Fritz Dinkelmann (27.7.2012).
Hören (3:20)

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