Royal Bank of Scotland gibt Verwicklung in Libor-Skandal zu
(Keystone Archiv)
Die grösstenteils verstaatlichte Royal Bank of Scotland (RBS) sei Gegenstand von Untersuchungen der britischen Finanzaufsicht (FSA). Das hat der Chef der Bank, Stephen Hester, in der Zeitung «The Guardian» erklärt. «RBS ist eine der Banken, die im Libor-Skandal gefangen sind», sagte er weiter. Er gab aber keine Prognosen ab, wie hoch die Strafe ausfallen könnte.
Am Wochenende hatte die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, dass die RBS, ihr britischer Konkurrent Barclays und die UBS im Zentrum der Ermittlungen stünden. Der Manipulation bezichtigte Händler hätten offenbar jahrelang, auch über Stellenwechsel hinweg, ein Netzwerk gebildet.
Barclays hatte 445 Millionen Franken an die Finanzaufsichtsbehörden in den USA und Grossbritannien sowie an das US-Justizministerium zahlen müssen. Händler der Bank hatten in den Jahren 2005 bis 2009 nachweislich zu niedrige Zinssätze zur Ermittlung des Libor-Satzes gemeldet.
Selbstanzeige der UBS
Barclays war die erste Bank gewesen, die des Fehlverhaltens beschuldigt wurde und dieses auch zugab. Die UBS hat sich bereits vor Wochen selbst bei der schweizerischen Wettbewerbskommission angezeigt.
Ermittler in der EU, den USA, der Schweiz, Grossbritannien und anderswo nehmen mehr als ein Dutzend Grossbanken unter die Lupe. Untersuchungen laufen auch gegen die zweite Schweizer Grossbank, die Credit Suisse.
Der Libor gibt an, zu welchen Konditionen sich Banken gegenseitig Geld leihen. Darüber hinaus wird er als Referenzzins für diverse Geldgeschäfte herangezogen. Er wird aus einem Durchschnitt der gemeldeten Sätze von 18 Banken ermittelt.
HSBC entschuldigt sich
Die EU-Kommission hat bislang nicht veröffentlicht, gegen welche Banken sie ermittelt. Sie untersucht Verzerrungen beim europäischen Interbankensatz Euribor, dem Londoner Satz Libor und dem Tokioter Pendant Tibor. Von offizieller Seite gab es keinen Kommentar.
Der Chef der britischen Grossbank HSBC, Stuart Gulliver, hat sich am Montag indessen für die «Fehler der Vergangenheit» entschuldigt. Die Bank bildete Rückstellungen in Höhe von 1,5 Milliarden US-Dollar, um die Kosten für erwartete Strafen bezahlen zu können, unter anderem wegen Vorwürfen der Beihilfe zur Geldwäscherei in den USA und zu Unrecht verkaufter Versicherungen und anderer Finanzprodukte. (nab, sda)
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