Arafat-Witwe klagt wegen Verdachts auf Giftmord
Suha Arafat. (Archiv Reuters)
Der damalige Präsident der palästinensischen Autonomiegebiete, Jassir Arafat, war im November 2004 in einem Pariser Militärspital unter bis heute ungeklärten Umständen gestorben. Die Witwe und die Tochter von Jassir Arafats haben nun Klage gegen Unbekannt eingereicht.
Ziel dieser Klage sei es, die genauen Todesumstände Arafats zu ermitteln und damit herauszufinden, ob Arafat tatsächlich vergiftet wurde oder nicht, wie die Anwälte bekanntgaben. Die Palästinenser verdächtigen Israel seit Arafats Tod, ihn vergiftet zu haben.
Die Anwälte hoben hervor, dass sich die Klage ausdrücklich nicht gegen einen Staat, eine bestimmte Gruppe oder Person richte. Die Anzeige wegen «Ermordung» sei ausdrücklich gegen Unbekannt erstattet worden. Ausserdem sei der Fall auch nicht verjährt, weil die Klage weniger als zehn Jahre nach den Vorgängen eingereicht werde.
Exhumierung erlaubt
Ob zur Klärung des Falls nun in einem weiteren Schritt Arafats Leiche in Ramallah im Westjordanland exhumiert wird, ist derzeit noch unklar. Die palästinensische Behörde hatte Anfang Juli eigentlich grünes Licht dafür gegeben, in die Tat umgesetzt wurde der Beschluss bisher allerdings nicht.
Lausanner Experten lieferten Befund
Experten des Radiophysik-Instituts am Universitätsspital Lausanne hatten Kleidungsstücke des Ex-Staatschefs untersucht, die er vor seinem Tod getragen haben soll, und daran erhöhte Werte von Polonium 210 festgestellt. Auch an Arafats Zahnbürste sowie an seinen Haaren waren Spuren des radioaktiven Isotops und ausgesprochen tödlichen Gifts gefunden worden.
Allerdings wiesen die Schweizer Wissenschafter ausdrücklich darauf hin, dass ihre Ergebnisse keine Beweise für eine Vergiftung Arafats seien.
Vom Anführer der Fatah zum Friedensnobelpreisträger
Über Jahre hinweg hatte Arafat die palästinensische Politik mitgeprägt. Er war Mitgründer und späterer Anführer der Fatah, einer Gruppierung, die terroristische Anschläge und Bombenattentate verübte. 1994 erhielt er aufgrund seiner Friedensbemühungen zusammen mit Shimon Peres und Jitzhak Rabin den Friedensnobelpreis. (lin, sda)
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