Schwere Vorwürfe gegen Norwegens Polizei
Die Polizei fand die Insel Utøya 70 Minuten nach dem Alarm. (Archiv Keystone)
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Von Nordeuropa-Korrespondent Bruno Kaufmann
Am 22. Juli 2011 lief alles schief, was schief laufen konnte: Zum Zeitpunkt des schweren Bombenanschlags vor dem Sitz des norwegischen Ministerpräsidenten waren von den über 2000 Polizeibeamten Oslos gerade einmal vier im Dienst.
Fehlgeleitetes Alarmierungs-E-Mail
Nach dem Anschlag in der Osloer Innenstadt konnte der als Polizist verkleidete Attentäter Anders Behring Breivik unbehelligt aus der Stadt herausfahren, obwohl er von Passanten beobachtet und der Polizei gemeldet worden war. Doch der Alarm der Osloer Polizei an weitere Einsatzkräfte wurde per E-Mail versandt und ging an eine ungültige Adresse.
Als Breivik auf der unbewachten Ferieninsel Utøya das Jugendlager der Arbeiterpartei angriff, wussten die lokalen Polizeieinheiten der Umgebung nicht einmal genau, wo sich diese Insel befindet. Eine erste Einsatztruppe fuhr deshalb zunächst zur falschen Insel. Unterdessen konnte Breivik über eine Stunde lang ein Massaker anrichten.
Schwere Kritik an Polizei
Diese und viele andere, zum Teil haarsträubende Erkenntnisse finden sich im fast 500 Seiten dicken Untersuchungsbericht der unabhängigen Kommission, der am Montagmittag der norwegischen Regierung übergeben worden ist. Darin kritisiert die zehnköpfige Kommission die norwegische Polizei schwer.
Diese Kritik umfasst aber nicht nur die Mängel im unmittelbaren Umfeld der Anschläge, sondern auch im Vorfeld. So wurden zwar die Käufe Breiviks von gefährlichen Chemikalien im Ausland für den Bombenbau registriert und dem polizeilichen Nachrichtendienst gemeldet. Dieser aber ging den Vorwürfen nicht nach.
Rot-grüne Regierung unter Beschuss
Kritisiert wird im Bericht auch die rot-grüne Regierung von Ministerpräsident Jens Stoltenberg, die seit 2005 im Amt ist und letztlich die Verantwortung für die offensichtlich umfassenden Sicherheitslücken trägt. (nab;pet)
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