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Digitaler Wahlkampf: Obama und Romney im Netz

Wer hat die User auf seiner Seite? Mehr denn je setzen die US-Wahlkämpfer auf das Internet. Ein twitternder Präsidentschaftskandidat ist keine Ausnahme mehr. Mittlerweile sind soziale Netzwerke etablierte Mittel im Wahlkampf.

Vor vier Jahren war Barack Obama der erste Politiker, der die Möglichkeiten des Internets konsequent für seinen Wahlkampf genutzt hatte. Inwieweit ihm dies zum Sieg verhalf ist umstritten. Klar ist jedoch: Inzwischen braucht auch sein Mitbewerber Mitt Romney das Internet, um möglichst direkt mit den Wählenden kommunizieren zu können. Das heisst aber auch, dass Obama 2012 seinen Erfolg im Internet nicht einfach wiederholen kann, da es nichts Neues mehr ist. Dennoch, in der digitalen Welt hat Obama die Nase vorn.

Barack Obama im Web
Obamas Website: Auf seiner Website stellen Obama und sein Wahlkampfteam Fakten zu Themen wie Wirtschaft, Bildung, Sicherheit usw. zur Verfügung. Was hat Obama in seiner Amtszeit erreicht? Was sind seine Ziele? Ausserdem greift er seinen Herausforderer Mitt Romney in dessen angeblicher Kernkompetenz Wirtschaft direkt an, indem er aufzeigt, was Romney als Gouverneur von Massachusetts tatsächlich geleistet hat.

Bei seiner ersten Wahl stellte Obama alle Spendenrekorde bisheriger Präsidentschaftskampagnen in den Schatten. Und dabei half ihm auch seine Homepage: Denn Obama verfügte damals nicht wie beispielsweise die Mitbewerberin Hillary Clinton über ein Netzwerk von reichen Spendern. Seine Website wurde zum effektivsten Fundraising-Werkzeug. Mit einem Klick auf den Spende-Button gelangte man zu einem Formular, in das man nur noch einen Betrag und die Kreditkartendaten eingeben musste. Obama setzte nicht auf das bis dahin bewährte, traditionelle Vorgehen bei Fundraising-Dinners möglichst viele Grossspenden von Milliardären, Konzernen und Instituten zu erhalten. Und auch 2012 will Obama mit vielen kleinen Spenden seine Wahlkampfkasse füllen: Auf seiner Site ist ein Button aufgeschaltet, eine Schnell-Spende von fünf Dollars.barackobama.com
Obamas Dashboard: Da seit dem letzten Wahlkampf auch die Gegenseite das Potenzial von Online-Kampagnen erkannt hat, legt das Obama-Team nach. Es hat sein eigenes soziales Netzwerk entwickelt, das bereits als «Heiliger Gral» des digitalen Wahlkampfs gehandelt wird.

Das Tool soll das Heer von Freiwilligen koordinieren und deren Arbeit erleichtern: Die unzähligen freiwilligen Unterstützer können miteinander kommunizieren, die Aktivitäten von anderen mit verfolgen, Aktionen und Veranstaltungen organisieren, neue Unterstützer gewinnen. So soll das Dashboard auch zum Wettbewerb untereinander animieren. Und nicht zuletzt behalten die Wahlkampf-Strategen die Kontrolle über alle Wahlkampfaktivitäten im ganzen Land. barackobama.com

Jeremy Bird, National Field Director, erklärt Obamas Dashboard auf Youtube: youtube.com
Obamas Blogs: Die Blogosphäre in den USA ist bedeutender als in Europa. Deshalb greifen auch die beiden Präsidentschaftsbewerber zur elektronischen Feder. Mit ihren chronologischen Tagebuch-Einträgen wollen die Kandidaten näher an den Wählenden sein. Obama stellt in seinem Blog Informationen und Bilder zum laufenden Wahlkampf bereit, kontert Seitenhiebe von Romney oder lässt Wahlkampfhelfer einen Gastbeitrag schreiben. barackobama.com
Obama auf Facebook: Obama präsentiert sich mit Fotos, Statements, weiterführenden Links im weltweit grössten sozialen Netzwerk. Am Montag, dem 11. Februar 2008 zählte Barack Obama in seinem Facebook-Profil 480'868 Unterstützer. Mitte August 2012 sind es bereits über 27'500'000 Likes. facebook.com
Obama bei Twitter: Obama nutzt das Mikroblogging, um seine Anhänger up-to-date zu halten. Beim Kurznachrichtendienst hat der Präsident Mitte August über 18,6 Millionen Followers. twitter.com
Obama bei Pinterest: Pinterest ist ein neues soziales Netzwerk. In den USA wird es bereits als Konkurrent zu Facebook und Twitter gehandelt. Eigentlich handelt es sich um eine visuelle Bookmarksammlung, bei der Bilder und Videos auf virtuellen Pinnwänden gesammelt und geteilt werden. Es ist das zurzeit am schnellsten wachsende soziale Netzwerk überhaupt. Im Gegensatz zu Romney ist Obama ist bereits auf Pinterest vertreten. pinterest.com
Obama bei Google+: Obama ist auch in diesem sozialen Netzwerk mit Fotos, Videos und Posts präsent. Er teilt sie Mitte August 2012 mit über zwei Millionen Nutzern.google.com
Obama bei MySpace: Obamas Wahlkampfteam publiziert auf MySpace Fotos, Videos, Blogs usw. Obama hat Mitte August 2012 auf der Site 1,7 Millionen Freunde. Allerdings ist sein Konto veraltet: Der letzte Eintrag stammt vom April 2011. Am Schluss werden die User auf seine Homepage umgeleitet. Das einst weltweit führende Online-Netzwerk hat in den letzten Jahren immer mehr an Bedeutung verloren.myspace.com
Obama bei Flickr: Obama nutzt den Webgaleriedienst Flickr vor allem, um den Wahlkampf in Bildern festzuhalten und zu zeigen, was seine freiwilligen Helfer alles leisten. Dazu hat er eine Gruppe angelegt, bei der wahrscheinlich bestimmte Helfer Mitglied sind, die dann alle gemeinsam Bilder hochladen können. So werden die verschiedenen Unterstützergruppen angespornt, zu zeigen, was sie sich für den Wahlkampf ausgedacht haben.flickr.com
Besuch im Weissen Haus: Mal durchs Oval Office wandeln, das vergoldete Silbergeschirr im Vermeil Room betrachten oder am langen Konferenztisch im Roosevelt Room sitzen. Kein Problem: Obama lädt die Internetnutzer auf einen virtuellen Rundgang durchs Weisse Haus ein. googleartproject.com
Obama im Weissen Haus: Auf der Website des White House sind beispielsweise die wöchentlichen Ansprachen, die Präsident Obama an sein Volk hält, zu finden. Aufgelistet wird auch welche Politik er in den verschiedensten Themen verfolgt und die wichtigsten Köpfe seiner Administration werden vorgestellt.whitehouse.gov
Hymne für Obama: Drei junge Franzosen aus Bordeaux haben eine Wahlkampfhymne für Obama gesampelt, aus TV-Auftritten von Obama und historischen Filmdokumenten, hinterlegt mit Soul-Musik. youtube.com


Mitt Romney im Web
Romneys Website: Auf seiner Website nehmen Romney und sein Wahlkampfteam Stellung zu verschiedenen Themen wie Afghanistan und Pakistan, Afrika, Bildung usw. Zuerst gibt es eine kurze Übersicht über das jeweilige Thema, danach folgt ein Abschnitt «Obamas Scheitern», um mit «Mitt's Plan» zu schliessen. Auch Romney versucht über seine Homepage Geld für seinen Wahlkampf zu sammeln.mittromney.com
Romneys MyMitt: Über das Netzwerk MyMitt können seine Anhänger miteinander in Kontakt treten, sich für den Wahlkampf einsetzen und es werden Anreize für die Mitarbeit geschaffen. Wer für die Kampagne Wähler und Unterstützer anruft, wird belohnt: Für 100 Anrufe gibt es einen Sticker, für 250 einen Pin, für ein T-Shirt oder ein unterschriebenes Foto des Kandidaten müssen mehr Telefonate getätigt werden. mittromney.com
Romneys Blog: Im Blog publizieren Romney und sein Wahlkampfteam neue TV-Kampagnen, laden Ausschnitte von Pressekonferenzen hoch und veröffentlichen Pläne für die angestrebte Präsidentschaft. mittromney.com
Romney auf Facebook: Romney hat Mitte August 2012 über 4,2 Millionen Unterstützer auf Facebook - 23,5 Millionen weniger als Amtsinhaber Obama. facebook.com
Romney bei Twitter: Der Herausforderer Obamas verfügt Mitte August 2012 über 800‘000 Follower auf dem Kurznachrichtendienst. Obama zählt über 17 Millionen Follower mehr – bis zur Wahl im November dürfte das kaum aufzuholen sein. twitter.com
Romney bei Google+: Im sozialen Netzwerk Google+ ist Romney mit einem Profil dabei. Er teilt Mitte August 2012 Posts und Fotos mit knapp 900‘000 Nutzern – über 1,1 Millionen weniger als Obama. google.com
Romney bei MySpace: Romney ist auch auf MySpace mit einem Benutzerprofil vertreten. Er hat Mitte August 2012 21‘793 Freunde – knapp 1,7 Millionen weniger als Obama. Und auch sein Profil wird nicht mehr betreut: Der letzte Eintrag stammt von 2008.myspace.com
Romney bei Flickr: Romney setzt wie Obama auf die Kraft der Bilder. Zu sehen ist Romney bei verschiedenen Wahlkampfauftritten und seine Fans, die ihm zujubeln.flickr.com
Obama Gegner: Die Site des «Nobama Network» ist in erster Linie gegen Obama, denn für Romney. Obama wird als Marxist und Betrüger tituliert, von dem es Amerika zu befreien gelte. nobamanetwork.com

(daua;nab)

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