Die Eurozone steckt in der Rezession
Der deutsche Export boomt, vor allem Autos 'made in Germany' sind gefragt. (Keystone)
Die Wirtschaft der Eurozone ist im zweiten Quartal trotz des robusten Wachstums ihrer Konjunkturlok Deutschland geschrumpft. Das Bruttoinlandprodukt fiel insgesamt um 0,2 Prozent im Vergleich zum Jahresbeginn, wie das Statistikamt Eurostat in Brüssel mitteilte.
Damit steckt die Eurozone in einer Rezession fest. Davon spricht man, wenn die Wirtschaftsleistung zwei Quartale nacheinander entweder unverändert bleibt oder abnimmt. Im ersten Quartal 2012 hatte die Wirtschfsleistung in der Eurozone stagniert.
Konjunkturlokomotive Deutschland
Einen stärkeren Einbruch im zweiten Quartal 2012 verhinderte Deutschland mit einem Wachstum von 0,3 Prozent. Europas Konjunkturlokomotive hatte im ersten Quartal noch um 0,5 Prozent zugelegt. Positive Impulse kamen von April bis Juni vom Aussenhandel und vom Konsum. Nach vorläufigen Berechnungen stiegen die Exporte stärker als die Importe. Vor allem in Ländern ausserhalb der Eurozone liefen die Geschäfte deutscher Exportunternehmen weiter rund.
Auch der Binnenkonsum lag über dem Niveau des Vorquartals. Dagegen hielten sich die deutschen Unternehmen wegen der Unsicherheit über die weitere Entwicklung der Staatsschuldenkrise mit Investitionen zurück. Im Vergleich zum zweiten Quartal 2011 legte das BIP in Deutschland unter Berücksichtigung der Inflation um 0,5 Prozent zu. Allerdings gab es in diesem Jahr einen Arbeitstag weniger: Ohne diesen Effekt lag der Zuwachs bei 1,0 Prozent.
Frankreich kämpft mit Stagnation
Deutschland steht damit deutlich besser da als viele andere Länder der Eurozone. So ist die zweitgrösste Euro-Volkswirtschaft Frankreich das dritte Quartal in Folge nicht gewachsen. Das französische Statistikamt registrierte auch für die Monate April bis Juni eine gleichbleibende Wirtschaftsleistung im Vergleich zum Vorquartal. Bereits im Schlussquartal 2011 sowie im ersten Quartal 2012 war die französische Wirtschaft nicht gewachsen.
Positive Zahlen aus weiteren Euro-Ländern
Leicht gewachsen ist im zweiten Quartal die niederländische Volkswirtschaft, und zwar um 0,2 Prozent im Vergleich zum Vorquartal. Analysten hatten einen Rückgang des BIP um rund 0,3 Prozent erwartet. Den gleichen Wert erreichte die Zunahme der Wirtschaftsleistung in Österreich. Dort hatte das BIP im ersten Quartal 2012 allerdings noch um 0,5 Prozent zugelegt.
Gute Zahlen präsentiert die Slowakei: Dort nahm die Wirtschaftsleistung im zweiten Quartal, verglichen mit dem Vorquartal, um 0,7 Prozent zu. Im Vorjahresvergleich beträgt die Zunahme sogar 2,7 Prozent.
Krisenländer mit negativem Wachstum
Wesentlich schlechter sieht es in den Euro-Krisenländern aus. In Italien brach das BIP im zweiten Quartal, verglichen mit dem Vorquartal, um 0,7 Prozent ein, in Spanien um 0,4 Prozent, in Zypern um 0,8 Prozent, in Portugal sogar um 1,2 Prozent. Belgien meldete ein Minus von 0,6 Prozent.
Die Europäische Zentralbank geht davon aus, dass die gesamte Eurozone in diesem Jahr um bis zu 0,5 Prozent schrumpfen wird. 2013 traut sie ihr wieder ein Wachstum zu. (pet; smus, dpa/reuters)
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