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Dienstag, 14.8.2012

Abgabekonzept für Jodtabletten überholt

Bei einem schweren Unfall in einem Schweizer AKW kämen viele Kantone zu spät mit ihren Jodtabletten. Die Gefahr von Schilddrüsenkrebs stiege. Nur: Wie kommen die Tabletten so schnell wie möglich an die Bevölkerung?

Nach dem aktuellen Abgabekonzept für Jod-Tabletten würden im Ernstfall nicht alle Einwohner innert 12 Stunden die Tabletten erhalten. (Keystone Archiv)

Handlungsbedarf bei der Abgabe von Jodtabletten

Beitrag aus Rendez-vous vom Dienstag, 14.8.2012, 12.30 Uhr, DRS 1, DRS 2, DRS 4 News und DRS Musikwelle

Von Bundeshausredaktor Philipp Burkhardt

In der nächsten Umgebung der AKW, bis zu 20 Kilometer um jedes Werk herum, sind die Jodtabletten an jeden Haushalt verschickt worden. In der übrigen Schweiz - der sogenannten Zone 3 - liegen rund 5 Millionen Packungen verteilt auf alle Kantone in Grosslagern bereit.

Im Ernstfall sollen sie an die Bevölkerung verteilt werden können. Innerhalb von 12 Stunden sollte das geschehen, schreibt die Jod-Verordnung des Bundes vor.

Verteilung nicht möglich
Doch Abklärungen nach der Reaktorkatastrophe in Fukushima haben gezeigt: In vielen Kantonen ist das nicht möglich, wie Max Zulliger von der Geschäftsstelle Kaliumiodid bestätigt.

Diese Stelle organisiert im Auftrag des Bundes die Abgabe der Tabletten: «12 Stunden ist zu kurz bemessen, damit wirklich alle Einwohner mit Jodtabletten versorgt werden könnten.»

Als problematisch hätten sich vor allem Grossstädte wie Zürich oder Basel herausgestellt. Die Kantone seien deshalb an den Bund gelangt und hätten ein neues Verteilungskonzept verlangt.

Post übernimmt's nicht
Daraufhin habe die Geschäftsstelle Kaliumiodid die Schweizerische Post angefragt, ob sie die Verteilung innert 12 Stunden übernehmen könnte. Max Zulliger sagt: «Das war leider nicht möglich, weil auch für die Post ist die Frist zu kurz angesetzt.» Es brauche genug Personal, das die Jodtabletten verteilen müsste. «Das ist ein Ding der Unmöglichkeit.»

Keine Garantie
Die Abklärungen hätten sogar zur Folge gehabt, dass die Post bereits bestehende Verträge mit einzelnen Gemeinden oder Städten, zum Beispiel Luzern, hätte kündigen müssen: «Sogar bei kleinen Städten mussten diese Verträge aufgelöst werden.» Es zeichne sich auch dort ab: «Diese Garantie kann nicht gegeben werden.»

Nun muss der Bund das ganze Jodtabletten-Konzept überdenken. Werner Zeller, Leiter der Abteilung Strahlenschutz im Bundesamt für Gesundheit, kündigt an, man werde die Grösse der Zonen rund um die Atomkraftwerke, in denen Jodtabletten nach Hause abgegeben werden, überprüfen: «Je nachdem wie dann die Zonen festgelegt werden, wird dann auch die Verteilung der Jodtabletten neu geregelt.»

Je grösser die Zonen, die akut von einer radioaktiven Wolke bedroht sind, umso mehr Haushalte würden die Tabletten zugeschickt erhalten. Das sei eine Möglichkeit: «Eine andere Möglichkeit wäre, dass man in der übrigen Schweiz regelmässig Abholkampagnen organisiert und damit auch auf die Eigenverantwortung abstützt.» Als dritte Möglichkeit könnte man auf Anfrage die Jodtabletten abgeben.

Unbekanntes Problem
Beim Präsidenten der kantonalen Regierungskonferenz Militär, Zivilschutz und Feuerwehr löst diese Entwicklung Erstaunen aus. Hans Diem, Regierungsrat in Appenzell Ausserrhoden, hat von Schweizer Radio DRS von den Problemen bei der Jodtabletten-Verteilung erfahren.

Er will sie nun bei der nächsten Sitzung der Regierungskonferenz zur Sprache bringen: «Wenn ich jetzt höre, dass verschiedene Kantone nicht die Möglichkeit haben diese Verteilung zu machen, so müssen wir dies thematisieren.»

Die Zeit drängt. Bis am 30. Juni des nächsten Jahres soll das Bundesamt für Gesundheit das neue Verteilungskonzept vorlegen. Denn 2014 müssen die Jodtabletten in den Zonen rund um die AKW aus Haltbarkeitsgründen ohnehin ersetzt werden. (basn;pet)

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