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Dienstag, 14.8.2012

Jugendkrawalle erschüttern nordfranzösische Stadt

Brennende Autos, Tränengas und viele Verletzte: Jugendkrawalle halten in Nordfrankreich die Polizei in Atem. Das Problem ist altbekannt, der Präsident neu. Wie geht Hollande gegen Randalierer vor?

Jugendliche und Polizisten lieferten sich Kämpfe in Amiens, nördlich von Paris. Grund war eine Polizeikontrolle. (Keystone)

Jugendunruhen in Amiens

Auch der Norden Frankreichs verzeichnet eine hohe Jugendarbeitslosigkeit. Rund 100 Jugendliche randalierten in der Nacht auf Dienstag in einem Vorort von Amiens. Sie zündeten Autos an und verletzten 16 Polizeibeamte.

Beitrag aus Echo der Zeit vom Dienstag, 14.8.2012, 18.00 Uhr, DRS 1 und DRS 4 News

Gut 100 Tage nach dem Amtsantritt von Frankreichs neuem Präsidenten François Hollande reisst ein Déja-vu der schweren Jugendkrawalle vergangener Jahre das Land aus der Sommerruhe.

Der in vielen Vororten französischer Städte schwelende Konflikt mit der Polizei eskalierte in der Nacht zum Dienstag in Amiens im Norden des Landes.

Dort zündeten Jugendliche Autos an und schossen auf Polizisten. Den Behörden zufolge wurden 16 Beamte durch Bleikugeln, Feuerwerkskörper und Wurfgeschosse verletzt, einer von ihnen schwer. Mit Tränengas und Gummigeschossen gingen die rund 150 Beamten gegen die Jugendlichen vor; Festnahmen gab es keine.

Rund 100 Jugendliche
Etwa 100 Jugendliche hatten bereits am Montagabend begonnen, die Sicherheitskräfte zu bedrängen, die in ein Problemviertel im Norden von Amiens eingerückt waren, nachdem es dort bereits am Sonntag Zusammenstösse gegeben hatte. Die Ausschreitungen dauerten bis Dienstagmorgen gegen 04.00 Uhr an.

In dem Viertel im Norden von Amiens kommt es regelmässig zu Zwischenfällen, doch die Zusammenstösse seien «noch nie so schwerwiegend gewesen», fügte die Präfektur hinzu. Drei öffentliche Gebäude seien teils zerstört worden, darunter eine Vorschule, die nach Angaben der Stadt teilweise ausbrannte. Ein Sportzentrum sei völlig demoliert worden.

Zudem wurden rund ein Dutzend Fahrzeuge und etwa 60 Mülleimer angezündet und die Scheiben einer Polizeistelle zerschlagen. Der Bürgermeister von Amiens, Gilles Demailly, sprach von «trostlosen Szenen». Die Schäden bezifferte er auf «Millionen Euro». Er habe seit Monaten um Unterstützung gebeten, weil die Spannungen in dem Viertel gewachsen seien.

Pfiffe für Innenminister
Der Norden von Amiens zählt zu den landesweit 15 Sicherheitszonen, für die der neue sozialistische Innenminister Manuel Valls ab September zusätzliche Sicherheitsmassnahmen angekündigt hat. Präsident Hollande schickte Valls am Nachmittag vor Ort, um sich ein Bild von der Lage zu machen. Valls wurde bei seiner Ankunft aber von Bewohnern ausgepfiffen.

Für Hollande gelten die Ausschreitungen als die erste Bewährungsprobe im Bereich der inneren Sicherheit. Sein konservativer Vorgänger Nicolas Sarkozy hatte sich in diesem Bereich mit seiner Politik der harten Hand nicht nur Freunde gemacht.

Hollande kündigte an, im Kampf gegen die Gewalt sämtliche Mittel zu mobilisieren. Konkret bedeute dies, dass im kommenden Haushalt zusätzliche Gelder für die Polizei eingeplant würden. «Die Gewalt gegenüber der Polizei, die ausgebrannten Gebäude und die Menschen in Angst sind inakzeptabel», sagte Hollande.

Der bei den Präsidentenwahlen im Mai über Sarkozy siegreiche Hollande hat mit einer Wirtschaft am Rande der Rezession, leeren Staatskassen und hoher Arbeitslosigkeit zu kämpfen.

Arbeitslosigkeit und Entfremdung
Von der Aussichtslosigkeit auf dem Arbeitsmarkt besonders stark betroffen sind die Jugendlichen in den heruntergekommenen Vororten mehrerer Städte Frankreichs. Die Wut der Bewohner speist sich zudem aus einem Gefühl der Entfremdung von der übrigen Gesellschaft und dem latenten Dauer-Konflikt mit der Polizei.

Die schwersten Krawalle gab es bisher im Jahr 2005. Wegen der über Wochen anhaltenden Gewalt rief die Regierung damals den Notstand aus. Eine Debatte über die sozialen Brennpunkte in den Vororten und die Integration von Immigranten vor allem aus Afrika begann. Auch 2007 und 2010 gab es grössere Zusammenstösse. (basn, sda/afp/reuters/dpa)

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