Umstrittener Trisomie-21-Test auf dem Markt
Der umstrittene Bluttest auf Trisomie 21 soll die risikoreiche Fruchtwasseruntersuchung ersetzen. (Keystone Archiv)
Die Firma LifeCodexx in Konstanz hat am Montag den Bluttest im Markt eingeführt, der auf einfache Weise das Risiko eines Down-Syndroms feststellen kann. Der Test sei ausschliesslich schwangeren Frauen zugänglich, die sich in der zwölften Schwangerschaftswoche oder darüber befänden und die ein erhöhtes Risiko für Trisomie 21 beim ungeborenen Kind trügen, hält das Unternehmen fest.
Kein Grossandrang
Beim Universitätsspital Zürich hätten sich Schwangere seit längerer Zeit regelmässig nach dem Test erkundigt, sagte ein Sprecher auf Anfrage der SDA. Das Spital geht künftig von ungefähr vier Tests pro Woche aus. Bei einer Testphase im Juli war acht Frauen Blut für den Test abgenommen worden. In der Basler Frauenklinik wird der Bluttest bereits seit Juli angeboten. Ein Andrang wird auch dort nicht verzeichnet. Dem Berner Inselspital lagen insgesamt fünf Anfragen vor.
LifeCodexx hatte den Bluttest nach eigenen Angaben von 2009 bis 2012 unter anderem in Zusammenarbeit mit führenden pränatal-diagnostischen Zentren und Kliniken in Deutschland und der Schweiz entwickelt. Der Test ermöglicht die Erkennung des Down-Syndroms ohne Eingriff in den Mutterleib. Der Chromosomen-Fehler Trisomie 21 führt zu geistigen Behinderungen und körperlichen Auffälligkeiten.
Risiko durch gefährliche Untersuchung fällt weg
Bislang testeten Ärzte mit einer Fruchtblasenpunktion, die medizinische Probleme bis hin zur Frühgeburt verursachen kann. Nach Einschätzung des Unternehmens kann der neue Test die Zahl der eingriffsbedingten Fehlgeburten «deutlich reduzieren» und hunderten Kindern das Leben retten, die jährlich durch Komplikationen bei invasiven Untersuchungen sterben».
Unternehmensvorstand Michael Lutz kündigte zudem an: «In naher Zukunft wird der "Praena-Test" auch weitere chromosomale Veränderungen wie Trisomie 13 und 18 feststellen können.»
Umstrittene pränatale Diagnostik
Kritiker sehen in einer solchen Untersuchung eine Methode zur Selektion von Menschen mit dem Down-Syndrom. Vor allem Behindertenverbände befürchten, dass der Druck auf Schwangere steigt, sich testen zu lassen und bei entsprechenden Testergebnissen die Schwangerschaft abzubrechen. Sie fordern auch eine gesellschaftspolitische Diskussion über die Definition von lebenswertem Leben. Auch Medizinethiker fragen sich, wer zu welchem Zeitpunkt welche genetischen Informationen erhalten dürfe. (bru, sda/dpa)
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