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Mittwoch, 22.8.2012

Swissmem: Industrie hat kaum mehr Spielraum

Die Schweizer Industrie hat sich bisher als erstaunlich krisenresistent erwiesen. Weitere Belastungen verkrafte sie aber nicht mehr, erklärt der Branchenverband Swissmem. Es drohten ein neuer Stellenabbau und Abstriche beim GAV.

Noch laufen die Maschinen, wie hier bei Georg Fischer. Doch beim Schaffhauser Industriekonzern ging der Gewinn im ersten Halbjahr zurück. (Keystone Archiv)

Schweizer Maschinenindustrie - Strategien aus der Krise

Vor einem Jahr befürchtete die Maschinenindustrie Umsatzeinbrüche und Stellenabbau - wegen des starken Frankens. Das Fazit heute: Die meisten Unternehmen sind erstaunlich widerstandsfähig.

Beitrag aus Echo der Zeit vom Mittwoch, 22.8.2012, 18.00 Uhr, DRS 1 und DRS 4 News

Die Schweizer Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie (MEM-Industrie) ächzt unter der Euro-Krise. Die Firmen verzeichneten im ersten Halbjahr 11,1 Prozent weniger Bestellungen. Knapp 70 Prozent der Schweizer MEM-Unternehmen mussten einen Auftragsrückgang hinnehmen.

Dieses flächendeckende Phänomen stimme nachdenklich, sagte Swissmem-Direktor, Peter Dietrich, an der Halbjahresmedienkonferenz. Und eine Besserung der trüben Lage sei angesichts der Konjunkturprognosen im Hauptexportgebiet EU nicht absehbar.

Krisenresistenter als erwartet
Dennoch sind die MEM-Unternehmen noch erstaunlich widerstandsfähig. Dies sei einerseits der Interventionen der Schweizerischen Nationalbank (SNB) und der Verteidigung der Untergrenze von 1.20 Franken gegenüber dem Euro zu verdanken. Andererseits sei es auch das Resultat der Anstrengungen der einzelnen Betriebe, sagte Dietrich.

Die Umsätze stiegen im ersten Halbjahr 2012 leicht um 1,4 Prozent. Allerdings hinken die Erlöse zwei bis drei Quartale hinterher und bereits meldeten knapp 60 Prozent der Firmen negative Umsatzzahlen in den ersten sechs Monaten des Jahres.

Um im Geschäft zu bleiben, seien viele Unternehmen gezwungen gewesen, ihre Preise zu senken, hielt Dietrich weiter fest. 2011 betrug der Zerfall der Exportpreise in der Branche bereits 4,1 Prozent. Im ersten Halbjahr dieses Jahres setzte sich der Trend mit einem Minus von 2,3 Prozent fort.

Kaum mehr Spielraum
Dies führt zwangsläufig zu kleineren Margen in der Branche. Zudem sei die Wahrscheinlichkeit gross, dass die Umsatzentwicklung ins Minus drehen werde. «In sehr vielen Unternehmen ist die Situation nicht gut, ja katastrophal», betonte Swissmem-Präsident Hans Hess. «Die Zitrone ist in diesen Firmen nahezu ausgepresst.»

Dem Technologie-Werkplatz Schweiz drohe in den nächsten sechs bis zwölf Monaten ein weiterer Stellenabbau, aber es würden keine 10'000 Jobs sein. «Ich kann keine konkreten Zahlen nennen. Es werden hoffentlich eher Hunderte sein als Tausende. Ich hoffe, ich bin nicht zu optimistisch», sagt Hess der «Handelszeitung».

Diskussion über GAV
Weitere Belastungen ertrage die Schweizer Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie nicht mehr. So warnt Swissmem eindringlich vor neuen Belastungen etwa durch die Umsetzungsmassnahmen in der Energiestrategie 2050 oder vor zusätzlichen Kosten wegen des neuen Gesamtarbeitsvertrages (GAV). Der bisherige läuft noch bis Juni 2013.

Die Arbeitnehmerorganisation Angestellte Schweiz reagierte umgehend. Wenn diese Warnung an die Sozialpartner gerichtet sein solle, dann sei sie fehl am Platz, hiess es in einem Communiqué vom Mittwoch. Der neue GAV müsse ohne Vorbedingungen ausgehandelt werden. Die aktuelle Situation der Branche dürfe nicht präventiv eine verhindernde Rolle spielen. (nab, luek, sda)

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