Armstrong steht vor Verlust seiner Tour-Titel
Lance Armstrong. (Archiv Keystone)
An der Tour-de-France 1999 fuhr der Schweizer Radprofi Alex Zülle auf den 2. Schlussrang. Vor ihm lag einzig der Amerikaner Lance Armstrong. Falls Armstrong wegen Doping seinen Titel verliert, könnte Zülle ihn erben. Allerdings sind viele Fragen noch offen. Mehr
«Es kommt ein Punkt im Leben jedes Menschen, an dem er sagen muss genug ist genug. Für mich ist dieser Punkt jetzt gekommen», erklärte Lance Armstrong auf seiner Homepage. Das gesamte Verfahren habe einen «zu hohen Zoll» von ihm und seiner Familie gefordert, begründete Armstrong seinen Entschluss.
Wenn er eine Chance gesehen hätte, in einer fairen Umgebung die Vorwürfe widerlegen zu können, hätte er «die Chance wahrgenommen». «Aber ich weigere mich, in einem einseitigen und unfairen Prozess mitzumachen.»
Lebenslange Sperre
Ein Dopinggeständnis legte Armstrong in seiner Mitteilung aber nicht ab. Ganz im Gegenteil. «Ich weiss, wer sieben Mal die Tour gewonnen hat», betonte der US-Amerikaner. «Es gab keine Abkürzungen, es gab keine speziellen Behandlungen. Dieselben Strecken, dieselben Regeln», schrieb Armstrong.
«Das ist ein trauriger Tag für alle von uns, die den Sport und unsere Athleten-Helden lieben», teilte die Anti-Doping-Agentur Usada mit. Die Agentur will Armstrong lebenslang sperren und ihm seine sieben Tour-Titel aberkennen. Dies entscheidet jedoch nicht die Usada selbst, sondern der internationale Radsportverband UCI.
Schwere Vorwürfe
Die Usada warf dem früheren Radsportler vor, Steroide und Blutdopingmittel genommen zu haben, um von 1999 bis 2005 sieben Mal in Folge die Tour de France zu gewinnen. Armstrong hat die Einnahme von Dopingmitteln immer wieder bestritten.
Sie hatte Armstrong im Juni formal des Dopings angeklagt. Die Agentur stützt sich auf mehr als zehn Zeugen. Neben Armstrong sind auch dessen ehemaliger Teammanager Johan Bruyneel und der einstige Mannschaftsarzt Pedro Celaya angeklagt.
Keine positiven Tests
Zuletzt hatten sich auch seine ehemals treuen Gefolgsleute wie Tyler Hamilton, George Hincapie und Floyd Landis von Armstrong abgewendet und ihn schwer belastet. «Er hat genommen, was wir alle genommen haben. Epo, Testosteron, Bluttransfusionen», sagte Hamilton.
Er habe oft dabei zugesehen, wie sich Armstrong selbst Epo injizierte, unter anderem vor seinem ersten Tour-Sieg 1999. «Es lag immer in seinem Kühlschrank», sagte der zweimal des Dopings überführte Hamilton.
Armstrong selbst wurde offiziell nie erwischt. In sechs Urinproben des Amerikaners von 1999 war zwar das Blut-Dopingmittel EPO nachgewiesen worden, der 40-Jährige wurde aber freigesprochen, weil die erneuten Tests der Proben angeblich nicht nach wissenschaftlichem Standard durchgeführt worden waren. (fors; nab, dpa)
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