Hinrichtungen veranlasst? – Schweizer verhaftet
Schweizerisch-guatemaltekischer Doppelbürger Emil Sperisen hier 2006 noch in seiner Funktion als Chef der Polizei von Guatemala. Er wurde in Genf verhaftet. (Keystone Archiv)
Die Polizei hat in Genf den ehemaligen Chef der Polizei von Guatemala, Erwin Sperisen, verhaftet. Sperisen war von Juli 2004 bis März 2007 Chef der «Policia National Civil» (PNC) in Guatemala. Nach seinem Rücktritt als Polizeichef floh er im April 2007 nach Genf.
Vorwürfe von Uno-Kommission
Die Uno-Kommission gegen Straflosigkeit in Guatemala (CICIG) wirft Sperisen vor, Drahtzieher von aussergerichtlichen Hinrichtungen gewesen zu sein und zusammen mit anderen damaligen hohen Funktionären eine kriminelle Organisation gebildet zu haben.
Sperisen wurde in Guatemala angeklagt, konnte als Doppelbürger der Schweiz und Guatemalas aber nicht ausgeliefert werden. Möglich ist aber ein Prozess in der Schweiz, weshalb die Genfer Justiz ein Rechtshilfegesuch stellte.
Die Staatsanwaltschaft Genf hat die Dokumente inzwischen gesichtet, die sie Ende 2011 im Rahmen eines Rechtshilfeverfahrens aus Guatemala erhalten hatte.
Sie kam jetzt zum Schluss, dass es «wichtige Verdachtsmomente» gebe, dass Sperisen in verschiedene aussergerichtliche Hinrichtungen involviert gewesen sein könnte. Sperisen streitet die gegen ihn erhobenen Vorwürfe ab.
Bertossa will Sperisen anhören
Die Akte Sperisen liegt nun in den Händen des ersten Staatsanwaltes von Genf, Yves Bertossa. Er wird Sperisen voraussichtlich noch am Freitagabend kurz befragen, wie es hiess.
In einem der Nachrichtenagentur sda im vergangenen Jahr gewährten Interview bezeichnete sich Sperisen als Opfer einer Diffamierungskampagne und «politischer Manöver», die im Zusammenhang mit seiner Aktion gegen Drogenhändler stünden.
Ein guatemaltekisches Gericht hatte im vergangenen August Haftmandate gegen 19 ehemalige Funktionäre erlassen, darunter Sperisen und den ehemaligen Ex-Innenminister Carlos Vielmann. (basn, sda)
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