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Samstag, 1.9.2012

Ein Chinese versetzt das Burgund in Aufregung

Im Bordelais hat man sich an sie gewöhnt: Reiche Investoren aus China, die sich in Weingüter einkaufen. Nicht so im Burgund. Dort bekundet man wesentlich mehr Mühe. Dabei dreht sich die aktuelle Diskussion um einen einzigen Fall. Verletzter Nationalstolz? Auch. Aber nicht nur.  

Ein chinesischer Investor kaufte das Château Gevrey-Chambertin im Burgund für 8 Millionen Euro. (sf)

Acht Millionen Euro legte Louis Ng Chi Sing auf den Tisch. Ein Angebot, welches die Besitzerfamilie des Château de Gevrey-Chambertin nicht ablehnen konnte. Verständlich, hatten Experten das Anwesen doch auf «nur» rund 3,5 Millionen Euro geschätzt. Lokale Winzer hatten mit ihrem Gegenangebot von 5 Millionen Euro keine Chance.

Neben dem achthundert Jahre alten Schloss gehen damit auch rund zwei Hektar Land an den Chinesen über, der sein Geld im Spielerparadies von Macau, einer Sonderverwaltungszone rund 50 Kilometer westlich von Hongkong entfernt, gemacht hat.

Rund 12‘000 Flaschen Wein werden auf Château Gevrey-Chambertin jährlich produziert, eine für das Burgund mit seinen Klein- und Kleinstparzellen typische Mini-Menge.

Abgehängt in der globalisierten Welt?
Kein Grund also, sich aufzuregen? Mitnichten. An der Côte d‘Or freuen sich nicht alle auf den finanzkräftigen Investor, der neben der chinesischen auch die portugiesische Staatsangehörigkeit besitzt.

«Dommage», schade sei es, dass ein Nicht-Franzose den Zuschlag erhalten habe, sagt ein Winzer der «Tagesschau». Eine Spur von verletztem Nationalstolz ist da nicht zu überhören. Daran ändert nichts, dass der 60-jährige Ng die Bewirtschaftung des Guts einem Franzosen übertragen und versprochen hat, das Schloss zu renovieren.

Sogar der Bürgermeister meine, er hätte «vielleicht» einen Verkauf an einen Landsmann vorgezogen, «wie alle anderen auch». Aber nun gelte es, vorwärtszuschauen: «Andere Reiche kaufen sich teuren Schmuck oder einen Fussballspieler. Dieser eben ein Weingut.»

Die lokale Winzervereinigung fürchtet nun, dass ausländische Investoren in Massen einfallen und die Bodenpreise ins Unermessliche steigen könnten. So ganz von der Hand zu weisen ist diese Sorge angesichts des Fantasiepreises für das Château Gevrey-Chambertin sicher nicht.

Und schliesslich, sagt SF-Frankreich-Korrespondent Michael Gerber, gebe es da auch dieses Gefühl, «dass Frankreich in der globalisierten Welt immer öfter den Kürzeren zieht».

Château chinois, Premier Cru classé?
Ortswechsel: Im Südwesten Frankreichs, in der Region Bordeaux, sind Investoren aus China schon länger präsent. Seit 2008 sind rund 30 Güter in chinesische Hände übergegangen, Tendenz steigend. Damit liegt das Land im Bordelais unter den ausländischen Investoren schon auf Platz zwei, hinter Belgien (rund 45 Güter). 

Asien ist für die Bordeaux-Produzenten mittlerweile zu einem der wichtigsten Märkte überhaupt geworden, vor allem im Hoch- und Höchstpreis-Segment. Deshalb sind chinesische Investoren mittlerweile auch gerne gesehen. Denn schliesslich «sind sie die besten Botschafter bei ihren Landsleuten», stellt man beim Conseil Interprofessionel du Vin de Bordeaux (CIVB) fest.

Gemessen an rund 8000 Gütern sind 30 verschwindend wenig. Und die ganz grossen Namen in den berühmtesten Anbaugebieten standen bisher nicht zur Debatte. Investoren aus China haben ihr Geld bisher in Güter gesteckt, die Weine der weit weniger prestigeträchtigen Appellationen Bordeaux supérieur oder Côtes de Bordeaux produzieren.

Das könnte sich ändern. «In fünf bis zehn Jahren», ist die chinesische Önologin Li Lijuan überzeugt, «werden wir den Kauf von klassierten Gütern erleben». Vermutlich werden die Diskussionen und Emotionen dann auch im Bordelais wieder aufflammen. (basn, sf)

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Chinesische Bordeaux Produzenten in Südfrankreich («10vor10», 14.10.2011)



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