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Sonntag, 2.9.2012

Neuer Syrien-Gesandter dämpft Hoffnungen

Der neue internationale Syrien-Gesandte Lakhdar Brahimi hat kurz nach seinem Amtsantritt die Erwartungen gebremst. Das Land erlebte denn auch ein weiteres blutiges Wochenende. In der Hauptstadt Damaskus starben bei Bombenanschlägen über ein dutzend Menschen.

Bei den Explosionen in der Stadt Damaskus wurden Gebäude und Autos zerstört. (Keystone)

Gibt es einen Ausweg aus der Gewaltspirale?

Beitrag aus Echo der Zeit vom Sonntag, 2.9.2012, 18.00 Uhr, DRS 1 und DRS 4 News

Kein Ende der Gewalt in Syrien

Beitrag aus Echo der Zeit vom Sonntag, 2.9.2012, 18.00 Uhr, DRS 1 und DRS 4 News

Karte: Syrien

In Syrien ist kein Ende der Gewalt in Sicht. In der Nacht auf Sonntag wurde ein Vorort von Damaskus von einer Explosion erschüttert. Nach Angaben der Staatsmedien starben beim Bombenanschlag nahe einem palästinensischen Flüchtlingslager mindestens 15 Menschen. Der betroffene Aussenbezirk al-Sbeineh gilt als gegenüber dem Staatschef Bashar al-Assad feindlich eingestellt.

Die amtliche Presse machte für den Anschlag eine «bewaffnete terroristische Gruppe» verantwortlich. Die Staatsmedien verwenden diese Bezeichnung auch für die Rebellen, die gegen die Assad-Truppen kämpfen.

Am Sonntag explodierten zwei weitere Bomben im vornehmen Viertel Abu Remmaneh, in dem sich auch der Sitz von Vizepräsident Faruk al-Shara und mehrere Botschaften befinden. Die Staatsmedien berichteten von mehreren Verletzten. Zum Anschlag bekannte sich eine mit der Freien Syrischen Armee der Rebellen verbundene islamistische Gruppe.

Bäckereien unter Beschuss
Unterdessen gingen die syrischen Regierungstruppen am Sonntag gegen mehrere Rebellenbastionen vor. Die in London ansässige Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichtete von Angriffen in und um Damaskus, in der Wirtschaftsmetropole Aleppo und der Provinz Idlib an der Grenze zur Türkei.

Nach Angaben von Aufständischen zerstörte die Armee in der zentralen Rebellenhochburg Kusseir die letzte Bäckerei, die noch Brot verkaufte. Die Truppen von Präsident Assad hätten die Stadt in der Provinz Homs am Sonntag im Morgengrauen unter heftigen Beschuss genommen.

In der Stadt war zuvor bereits eine der drei dortigen Bäckereien zerstört worden. Eine weitere wird von der Armee besetzt gehalten. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch hatte den Regierungstruppen Ende August vorgeworfen, gezielt Bäckereien anzugreifen, um den Rebellen die Ernährungsgrundlage zu entziehen.

Angriffe auf Luftwaffenstützpunkte
Die syrischen Rebellen ihrerseits versuchen offenbar, sich in ihrem Kampf gegen die Regierungstruppen zunehmend auf deren Luftwaffe zu konzentrieren. In der Nacht zum Samstag hätten sie ein Gebäude der Luftabwehr auf dem Militärflughafen Taftanas an der Grenze zum Irak eingenommen, erklärte die Beobachtungsstelle.

Nach unbestätigten Informationen gelang es ihnen dabei auch, Luftabwehrraketen zu erbeuten, die sie gegen Assads Luftwaffen einsetzen könnten.

Bei einer Attacke auf den Stützpunkt Kuris in der nördlichen Provinz Aleppo sollen die Rebellen sogar Kampfjets am Boden zerstört haben, wie Aktivisten am Samstag berichteten.

Brahimi dämpft Erwartungen
Am Samstag übernahm der algerische Krisendiplomat Lakhdar Brahimi vom ehemaligen Uno-Generalsekretär Kofi Annan das Mandat des Syrien-Vermittlers. Brahimi räumte in einem Interview mit dem Fernsehsender al-Arabia ein, noch keine konkreten Ideen zur Beilegung des Syrien-Konflikts zu haben.

«Ich kann nichts tun, ausser auf der Notwendigkeit für ein Ende der Gewalt und dem Beginn eines politischen Prozesses zu bestehen, der glaubwürdig ist und dem syrischen Volk Frieden und Stabilität bringen kann», sagte der Sondergesandte der Vereinten Nationen und der Arabischen Liga.

Brahimi betonte, seiner Ansicht nach trage die Regierungsseite die Hauptverantwortung für die Beilegung des Konflikts. Die Entsendung arabischer Truppen werde derzeit nicht erwogen, sagte er im Interview. «Ein militärisches Eingreifen in Syrien bedeutet das Scheitern der diplomatischen Bemühungen.» (basn, sda/afp/dapd/dpa)

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