Schweizer Banken trotzen Widrigkeiten
Die Schweizer Banken fuhren 2011 trotz Finanzkrise Gewinne ein. (Keystone Archiv)
Sinkende Margen, die Unsicherheit an den Finanzmärkten und schärfere Regulierungen haben die Schweizer Banken gebremst. Durch Kostensenkungen sind die Gewinne der Geldinstitute 2011 aber um gut ein Fünftel auf 13 Milliarden Franken gewachsen.
Die Zahlen seien angesichts der widrigen Umstände akzeptabel, sagte der Chef der Schweizerischen Bankiervereinigung (SBVg), Claude- Alain Margelisch, in Zürich.
Gemäss dem präsentierten Bankenbarometer über die Entwicklung der Branche nahmen die verwalteten Vermögen zwar von 5473 Milliarden Franken im Vorjahr auf 5269 Milliarden Franken ab. Dazu trug die tiefere Bewertung der Wertschriftenbestände und damit die Euro-Krise bei.
Die Erwartung, ausländische Kunden würden massiv Gelder abziehen, wenn sich Schweizer Banken zur Weissgeldstrategie bekennen und entsprechende Abkommen abschliessen, scheine sich aber nicht zu bestätigen, sagte Margelisch. Der Anteil ausländischer Vermögen liege unverändert bei gut 50 Prozent.
Stellenabbau droht
Allerdings ging der Geschäftserfolg vor Abzug von Personal- und Sachkosten zurück. Nach zwei positiven Jahren nahm er um 3,8 Prozent auf 59,1 Milliarden Franken ab.
Gründe dafür seien sinkende Margen, die Unsicherheit an den Finanzmärkten und schärfere Regulierungen. Wettgemacht wurde dies durch Kostensenkungen. Dennoch stieg der Personalbestand im Inland um 0,1 Prozent auf 108'100. Für das laufende Jahr rechnen die Bankiers aber mit einem leichten Stellenabbau.
Den Referendumsführern gegen die Steuerabkommen mit Deutschland, Grossbritannien und Österreich warf SBVg-Präsident Patrick Odier vor, Arbeitsplätze zu gefährden. Und wenn bei Banken 100 Stellen wegfallen, würden laut einer Studie auch in anderen Sektoren 115 Arbeitsplätze abgebaut.
Odier betonte, dass die Schweizer Banken das ausgehandelte, aber noch nicht ratifizierte Steuerabkommen mit Deutschland bereits umsetzten. Das Abkommen sei die beste Lösung, biete allen Beteiligten mehr Vor- als Nachteile und sei daher fair und ausgewogen.
Keine Nachverhandlungen
Nachverhandlungen werde es nicht geben, wies Odier Forderungen der deutschen Opposition erneut zurück. Zudem sei es zynisch, den Banken Fehlverhalten vorzuwerfen und gleichzeitig gestohlene Daten zu kaufen. Dies sei nicht akzeptabel, Text und Geist des Abkommens würden so missachtet.
Auch im Steuerstreit mit den USA hoffen die Bankiers auf einen baldigen Durchbruch. Schliesslich sei die Schweiz den USA bei der Amtshilfe erheblich entgegengekommen, etwa durch ermöglichte Gruppenanfragen nach Verhaltenskriterien. Ziel bleibe eine Globallösung für alle Banken.
Odier bedauerte, dass einzelne der elf Banken, gegen welche die USA ermitteln, Mitarbeitenden-Daten an die USA liefern mussten. Sie hätten in einer existenzbedrohenden Notlage gehandelt. Diese Banken müssten nun aber ihre Mitarbeitenden offen informieren über die gelieferten Daten sowie die möglichen Risiken und juristische Hilfe bieten.
Zukunftschancen
Der Schweizer Finanzplatz wolle aber nicht nur an der Bereinigung der Vergangenheit arbeiten, sondern sich auch für die Zukunft rüsten. So sei die Ausgangslage bestens, um die wachsenden Vermögen aus aufstrebenden Ländern zu verwalten.
Die Vermögensverwaltung für Institutionelle soll durch die laufende Revision des Kollektivanlagengesetzes gestärkt werden. Und eine weitere Chance sieht Odier als Handelsplatz für den Renminbi, etwa für Anlagen in der chinesischen Währung in der Schweiz oder für Emissionen von Unternehmen. (wedj, sda)
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