Proteste und Gewalt vor US-Botschaften
Ägypter demonstrieren vor der US-Botschaft in Kairo. Sie sind erzürnt über einen offenbar islamfeindlichen Film, der in den USA produziert worden war. (Keystone)
- Freitag, 28.9.2012: Urheber von Mohammed-Video im Gefängnis
- Samstag, 22.9.2012: Weltweite Demonstrationen gegen Anti-Islam-Film
- Samstag, 22.9.2012: Rossier: Schweizer Botschaften nicht in Gefahr
- Freitag, 21.9.2012: US-Spots im pakistanischen TV gegen Schmähfilm
- Donnerstag, 20.9.2012: Französische Botschaft in Iran angegriffen
Nach dem tödlichen Angriff auf das US-Konsulat in Benghasi haben sich die anti-amerikanischen Proteste auf andere muslimische Länder ausgeweitet. In Jemen wurden bei Protesten vor der US-Botschaft gegen einen anti-muslimischen Film drei Demonstranten getötet.
In der Hauptstadt Sanaa stürmten aufgebrachte Demonstranten am Donnerstag das Gelände der US-Botschaft. Polizisten und Sicherheitskräfte drängten diese zunächst mit Wasserwerfern zurück. Gemäss Demonstranten schoss die Polizei beim zweiten Versuch.
Die Polizei wiederum erklärte, sie habe nur Tränengas eingesetzt. Gemäss den Behörden wurden drei Demonstranten getötet; zehn wurden verletzt.
Proteste vor Schweizer Botschaft
In Teheran zogen rund 500 Menschen vor die Schweizer Botschaft, die im Iran die US-Interessen vertritt. Demonstrationen gab es auch im Irak, in Israel, dem palästinensischen Gazastreifen, in Marokko, Tunesien, dem Sudan und in Bangladesch.
In vielen Ländern wurden die Sicherheitsvorkehrungen für US-Vertretungen verschärft. Dort werden nach dem Freitagsgebet Proteste erwartet gegen den US-Film, in dem der Prophet Mohammed verunglimpft wird.
«Allein die Nachricht über die Existenz eines solchen Filmes (...) reicht aus, Leute in Wut zu versetzen», sagte der Nahostexperte Guido Steinberg von der Berliner Stiftung Wissenschaft und Politik. Eine Ursache sei der Eindruck vieler Muslime, der Westen führe «schon seit Jahrzehnten einen religiösen, einen kulturellen Angriff auf sie» und ihre Identität.
Strassenschlachten in Kairo
Die Proteste hatten am Dienstag in Kairo begonnen. Am Donnerstag lieferten sich dort Demonstranten und Polizisten vor der Botschaft blutige Strassenschlachten. Nach Angaben von Spitalärzten wurden über 200 Menschen verletzt.
Ägyptens Präsident Mohammed Mursi versuchte die Wogen zu glätten. Er verurteilte die Gewalt, forderte die USA aber zu «ernsthaften Schritten» gegen den Film auf.
«Wir sind gegen jede Handlung, mit der der Islam und der Prophet Mohammed beleidigt werden soll und wir sind gegen die Beleidigung jeder Religion», sagte Mursi. Solche Filme könnten jedoch «nicht als Rechtfertigung für Angriffe auf Konsulate oder Botschaften dienen». Sie rechtfertigten auch nicht die Tötung Unschuldiger.
USA und Israel verurteilen Film und Gewalt
US-Aussenministerin Hillary Clinton verurteilte den Film als «abscheulich und verwerflich». Die US-Regierung habe «absolut nichts» damit zu tun. Da in den USA Meinungsfreiheit herrsche, sei es für die Regierung «unmöglich», solche Filme zu verhindern. Jedoch sei auch die Gewalt, die der Film auslöste, nicht hinzunehmen.
Israel dementierte Berichte, wonach das Schmäh-Video von Israeli oder Juden produziert wurde. «Der Film hat nichts mit Israel zu tun. Zu den Leuten, die ihn hergestellt haben, gehören weder Israelis noch Juden», sagte ein Sprecher des Aussenministeriums. «Der Inhalt des Films ist unter aller Kritik. Der Film ist abscheulich», fügte er an.
Der oberste türkische Religionswächter, Mehmet Görmez, verurteilte den Angriff auf die Diplomaten scharf. Mit dem Islam könne dies nicht erklärt werden, sagte der Leiter der Religionsbehörde. Allerdings sei der Film auch ein Beispiel für Meinungsfreiheit.
Verdächtige in Benghasi festgenommen
Bei Protesten war am Dienstag, dem Jahrestag der Terroranschläge vom 11. September 2001, auch das US-Konsulat in Benghasi attackiert worden. Vier US-Diplomaten und mehrere libysche Sicherheitskräfte wurden getötet.
Die US-Geheimdienste verfolgen inzwischen Hinweise, wonach es sich um einen Terroranschlag gehandelt hat. Dies sagte der Vorsitzende des Geheimdienstausschusses im Repräsentantenhaus, Mike Rogers. Die US-Bundespolizei FBI nahm Ermittlungen auf. Ein Sprecher des Weissen Hauses sagte aber, es sei noch zu früh für ein klares Urteil.
In Benghasi wurden mehrere Verdächtige festgenommen. Vize-Innenminister Wanis al-Sharef machte aber gegenüber der Nachrichtenagentur AFP keine Angaben zur Zahl der Festgenommenen oder zu deren politischen Orientierung. (basn, sda/afp/reuters/dapd/dpa)
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