35 Prozent Frauen sollen in die Berner Chefetagen
35 Prozent weibliche Führungskräfte soll es künftig bei der Stadt Bern geben. (Keystone Archiv)
Von Wirtschaftsredaktorin Barbara Widmer
Künftig sollen in der Stadtverwaltung Bern 35 Prozent der Kaderstellen mit Frauen besetzt werden. Das Parlament hat der Regierung einen entsprechenden Auftrag erteilt.
Stadtpräsident Alexander Tschäppät warnte vergeblich: «Das Anliegen der Motionärinnen ist klar berechtigt. Nach Meinung des Gemeinderats ist aber die absolute Quote nicht das geeignete Instrument. Weil man natürlich gerade im Bereich Tiefbau, im Bereich Strassenbau, im Bereich Reinigung einfach keine weiblichen Kandidaten finden.»
«Sie sind zu finden»
Die Parlamentarierinnen und Parlamentarier liessen sich vom Argument der fehlenden Frauen nicht überzeugen. Auch Zita Küng, Expertin und Beraterin für Gleichstellungsfragen winkt ab: «Selbstverständlich ist es nach wie vor so, dass in den Ausbildungsgängen, z.B. für Elektrotechnik weniger bis gar keine Frauen vorhanden sind. Aber es gibt sie immer wieder. Und weil es sich nicht um hunderte Personen handelt, sondern um einzelne, sind die auch zu finden.»
Man muss allerdings wollen, so die Erfahrung von Zita Küng, die seit bald 40 Jahren in verschiedenen Funktionen das Thema Gleichstellung bearbeitet: «Es geht darum, dass klar wird, wenn Führungspositionen zu besetzen sind, sind nicht die Werkarbeiten gefragt, sondern das Know-How. Und da sind auch kluge Quereinstiege möglich. Wenn man will, dann findet man sie.»
Quote als Talentmagnet
Wie das geht, macht beispielsweise die deutsche Telekom vor. Sie hat sich eine Quote von 30 Prozent Frauen auf allen Führungsstufen verordnet. Um dieses Ziel innert vier Jahren zu erreichen, sucht die Firma gezielt nach Hürden, die es Frauen besonders schwer machen, vorwärts zu kommen, erzählt Gleichstellungsexpertin Küng: «Man muss feststellen, wo die Flaschenhälse sind: Wo kommen die Frauen nicht durch? Und dadurch, dass sie die Quote öffentlich angekündigt haben, sind sie in den Augen von interessanten Frauen auch wirklich attraktiv. Sie wissen: wenn ich mich jetzt bei der Deutschen Telekom bewerbe, bin ich willkommen.»
Diverse Studien zeigen, dass gemischte Teams besser arbeiten, als einseitig zusammengesetzte. Deshalb ist es auch ökonomisch sinnvoll, vorwärts zu machen mit der Gleichstellung der Geschlechter in Betrieben und Organisationen.
Auch wirtschaftlich sinnvoll
Auch das Lohnargument spricht für höhere Frauenquoten. Küng zeigt einen etwas zynisch wirkenden Zusammenhang auf: «Es ist tatsächlich so, dass aufgrund der Lohndiskriminierung und der bescheidenen Ansprüchen der Frauen, Frauen in Führungspositionen faktisch finanziell günstiger sind. Und wenn man davon ausgeht, dass das Hauptargument das ökonomische Argument ist, dann müssten logischerweise die Führungspositionen mit Frauen besetzt sein, wenn man sparen will.»
Aber noch zählen weniger die ökonomischen Argumente, als vielmehr die Tradition. Wenn - dank Quoten - Frauen bald häufiger neben Männern auf den Chefsesseln sitzen, dann verändert dies die Unternehmens-Kultur. (wedj;pet)
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