Prozess gegen Varone verschoben
Der Prozess um den Walliser Polizeikommandanten Christian Varone wurde verschoben. (Keystone)
Varone war am 27. Juli in Antalya festgenommen worden, als er mit seiner Familie nach Türkei-Ferien die Heimreise antreten wollte. Beamte am Flughafen fanden in seinem Gepäck einen Stein, der bereits in einer ersten Schnellanalyse türkischer Experten als antikes Säulenfragment definiert wurde.
Nach einigen Tagen in Untersuchungshaft wurde Varone ohne Auflagen auf freien Fuss gesetzt; er konnte in die Schweiz zurückkehren.
Wertvoller Stein?
Nach türkischen Medienberichten bestätigte eine erste Analyse durch zwei Archäologen des Museums von Antalya, dass es sich bei dem Stein um einen Teil einer römischen Säule und damit um einen wertvollen antiken Kunstschatz handelt, der laut Gesetz nicht aus dem Land gebracht werden darf. Eine behördliche Bestätigung für die Medienberichte lag nicht vor, weil sich türkische Gerichtsvertreter zu einem laufenden Verfahren grundsätzlich nicht offiziell äussern.
Kein unabhängiges Gutachten?
Die Pflichtverteidigerin von Varone hatte ihren Antrag auf eine neues Gutachten zur archäologischen Bedeutung des von Varone mitgenommenen Steins erst am vergangenen Freitag beim Schwurgericht in der südtürkischen Stadt Antalya eingereicht. Sie machte geltend, dass der jetzt vorliegende Expertenbericht keine neutrale Beurteilung sei, weil die beiden Gutachter befangen seien.
Das Gericht will nun entscheiden, ob es dem Antrag der Pflichtverteidigerin stattgeben will. Deshalb wurde die Verhandlung auf den kommenden 27. November vertagt.
Varone selbst hatte nach seiner Festnahme mehrmals betont, dass er nicht die Absicht gehabt habe, ein archäologisches Relikt zu entwenden. Vielmehr habe er den Stein als «simples Souvenir» aufgelesen.
Solange das türkische Gericht kein Urteil gefällt hat, gilt für den Walliser Polizeikommandanten Christian Varone die Unschuldsvermutung.
Varone hält an politischen Zielen fest
Seine politische Karriere verfolgt Varone ungeachtet des beginnenden Prozesses weiter. Anfang des Monats wurde der Polizeikommandant als offizieller FDP-Kandidat für den Walliser Regierungsrat benannt. Er soll den zurücktretenden Regierungsrat Claude Roch ersetzen. Eine Zusicherung, dass er im Falle einer strafrechtlichen Verurteilung durch die Türkei seine Kandidatur zurückziehen werde, wollte Varone nicht geben. (liec, SF, sda)
