Weniger Verbrauch soll belohnt werden
Je weniger Strom verbraucht wird, desto weniger muss erzeugt werden. (Archiv Keystone)
Von Wirtschaftsredaktorin Priscilla Imboden
Die grösseren Stromfirmen der Schweiz sollen ihren Kunden jährlich 1 bis 2 Prozent weniger Strom verkaufen, sagt Walter Steinmann, Direktor des Bundesamtes für Energie.
«Das heisst, dass sie Massnahmen ergreifen sollen, zum Beispiel den Konsumentinnen und Konsumenten entsprechende LED-Lampen, die 80 Prozent weniger Strom verbrauchen, zu guten, günstigen Konditionen und andere Effizienzmassnahmen wie Energieberatung, anzubieten.»
Erreichen sie dieses Ziel nicht, so müssen sie im folgenden Jahr mehr einsparen und eine Busse zahlen, in einen Topf, aus dem Stromsparmassnahmen finanziert werden. Kleinere Firmen hingegen zahlen nur eine Abgabe in diesen Topf.
Stromversorger nicht begeistert
Diese Massnahme stösst beim Verband der Schweizer Stromversorger VSE auf wenig Gegenliebe. Die Unternehmen unterstützten ihre Kunden schon lange beim Strom sparen, sagt Präsident Kurt Rohrbach:
«Wo es für mich harzt, ist, wenn wir verantwortlich dafür gemacht werden, wie viel die Konsumenten verbrauchen.» Ein derartiges Modell gebe es in anderen Sektoren nicht, und: «Noch störender daran ist, dass es allein für den Strom gelten soll.»
Er zieht das Modell grundsätzlich in Zweifel und erachtet diese Massnahme als nicht «so effizient, wie sie aussieht».
Kalifornien machts vor
Doch Erfahrungen im Ausland weisen in eine andere Richtung. Schon vor mehr als zehn Jahren verpflichtete der US-Bundesstaat Kalifornien seine Stromversorger, den Kunden weniger Strom zu verkaufen.
Der Schlüssel dazu: Schafften sie es, so verdienten sie mehr Geld. Mit dieser Politik hat Kalifornien den Pro-Kopf-Strom- Verbrauch stabilisieren können.
Paradoxe Situation
Conrad Brunner, Energieplaner und Vorstandsmitglied der Agentur für Energieeffizienz, kennt solche Modelle gut. Solle der Stromverbrauch stabilisiert und dann gesenkt werden, so müssten alle Beteiligten mitziehen, sagt er. Es reiche nicht, das Effizienzmodell nur auf den Konsumenten abzustützen. Das ergäbe eine paradoxe Situation.
Bessere Kühlschränke reichen nicht
Brunner kann den Widerstand der Stromlobby nachvollziehen. Die bundesrätliche Energiestrategie verlange von ihnen einen gewaltigen Wandel.
«Alle haben Broschüren darüber, wie man bessere Kühlschränke und bessere Elektromotoren nutzt. Das reicht aber nicht. Sie müssen den ganzen Firmenbereich umstellen. Und das ist die Schwelle, die im Moment für den Verband der Elektrizitätswerke eine hohe Hürde darstellt.»
Es gehe darum, das ganze Geschäftsmodell zu verändern. Die Stromproduzenten müssten nicht mehr nur auf Versorgung und hohen Verbrauch, sondern auf weniger Verbrauch und Effizienz hinzuarbeiten
Ein solcher Umbau finde bereits in 30 US-Bundesstaaten, in Ländern der EU und auch in China statt.
EWZ leistet Pionierarbeit
Aber man muss nicht einmal über die Grenze blicken. Die Energiewerke Zürich EWZ verlangen schon seit langem einen kleinen Aufpreis auf den Strom. Damit gewähren sie ihren Kunden Rabatte für die effizientesten Geräte, die jeweils auf den Markt kommen.
«Und siehe da, nach zwanzig Jahren kann man sehen, dass der Pro Kopf-Verbrauch im EWZ- Gebiet etwa flach geblieben ist und im Vergleich zur ganzen Schweiz, wo er immer noch steigt, einen grossen Unterschied darstellt.»
Das zeige, sagt Energieplaner Conrad Brunner, dass es funktioniere. (lin)
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