1000 Seiten und 26 Zeugen gegen Armstrong
Autogramme für Fans: Lance Armstrong Ende August 2012 im Mount Royal Park in Montreal. (Archiv Reuters)
Die Bericht der US-Anti-Doping-Agentur USADA zeichnet ein erschreckendes Bild von Spitzenradfahrer Lance Armstrong, der Doping jahrelang offiziell bestritten hat. Von einer beispiellosen «Dopingverschwörung» ist die Rede. Mehr
Garniert mit elf Zeugenaussagen von Ex-Teamkollegen hat die amerikanische Anti-Doping-Agentur USADA ihre Urteilsbegründung gegen Lance Armstrong an den Radsport-Weltverband UCI geschickt. Nach Erhalt der mehr als 1000-seitigen Akten mit deutlichen Anschuldigungen hat der Verband 21 Tage Zeit, sein Urteil über den gefallenen amerikanischen Weltstar zu sprechen.
Die im Internet komplett veröffentlichten Dokumente zeichnen ein erschreckendes Sittenbild im früheren Armstrong-Rennstall. US Postal, langjähriges Profiteam des 41-Jährigen, habe das «ausgeklügelste, professionellste und erfolgreichste Dopingprogramm betrieben, das der Sport jemals gesehen hat», schrieb die USADA in einer Mitteilung auf ihrer Internetseite.
Sechs weitere Fahrer gesperrt
Die Beweisführung gegen den siebenfachen Tour-de-France-Sieger Armstrong enthält beeidete Zeugenaussagen von 26 Personen, davon 15 früheren Fahrern. Von den elf ehemaligen Teamgefährten Armstrongs dürfen Levi Leipheimer, Christian Vande Velde, Tom Danielson und David Zabriskie als aktive Profis jeweils für sechs Monate keine Rennen bestreiten.
Die kürzlich zurückgetretenen Georgie Hincapie und Michael Barry wurden auch gesperrt und legten im Zuge der USADA-Veröffentlichung erstmals ein Dopinggeständnis ab. Auch Vande Velde und Leipheimer bekannten öffentlich Reue.
E-Mails und Labortests
Neben der Aussagen sind zudem Dokumente als Beweismittel aufgeführt, darunter Aufzeichnungen von Zahlungen, E-Mails, wissenschaftliche Daten und Labortests. Diese sollen den «Gebrauch, Besitz und Verteilung von leistungssteigernden Mitteln durch Lance Armstrong beweisen», schreibt die USADA. «Die Dopingverschwörung war professionell entworfen, um die Athleten unter Druck zu setzen, gefährliche Dopingmittel zu nutzen, (...) und einen unfairen Wettbewerbsvorteil zu gewinnen.»
Der UCI-Verbandsvorsitzende Pat McQuaid hatte mehrmals angedeutet, die von der USADA ausgesprochenen Strafen zu akzeptieren. Die Anti-Doping-Agentur hatte Armstrong Ende August lebenslang gesperrt und seine Ergebnisse seit dem 1. August 1998 gestrichen. Sollte die UCI dem zustimmen, würde Armstrong seine Toursiege von 1999 bis 2005 verlieren. Der 41-jährige Armstrong hatte darauf verzichtet, der USADA-Verurteilung zu widersprechen. Sein Anwalt Tim Herman nannte die Mitteilung von USADA-Chef Travis Tygart in einer ersten Reaktion einen «einseitigen Verriss» und «unbestätigt».
Armstrong unbeeindruckt
Armstrong zeigte sich nach der Veröffentlichung der erdrückenden Dokumente unbeeindruckt: «Was mache ich heute Abend? Ich verbringe Zeit mit meiner Familie, ungerührt», schrieb der einstige Radstar bei «Twitter». Statt sich mit dem Bericht der USADA zu beschäftigen, dachte der Amerikaner lieber an seine Krebsstiftung und verlinkte gleich noch einen Bericht über anstehende Events der Livestrong Foundation. (bru;prus, dpa)
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