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Donnerstag, 11.10.2012

Weniger Wachstum in Deutschland erwartet

Die Euro-Schuldenkrise macht den Optimismus in Deutschland zunichte. Die führenden Wirtschaftsforscher prognostizieren für das kommende Jahr nur noch ein Prozent Wachstum. Das Krisenmanagement halten sie für gefährlich.

Trübe Aussichten für die deutsche Wirtschaft: Experten prognostizieren Deutschland nur noch ein Wirtschftswachstum von 1,0 Prozent für 2013 - und halbieren damit ihre Prognose aus dem Frühjahr. (Reuters)

Die Schuldenkrise in Europa und die schwächelnde Weltkonjunktur bremsen aus Sicht der führenden Forschungsinstitute die Wirtschaftslokomotive Deutschland. Die Ökonomen erwarten für das kommende Jahr nur noch ein Wachstum von 1,0 Prozent. Damit halbierten sie ihre Prognose aus dem Frühjahr.

Die Institute kritisierten bei der Vorstellung des Herbstgutachtens in Berlin den Plan der Europäischen Zentralbank (EZB), notfalls unbegrenzt Anleihen von Euro-Schuldenstaaten zu kaufen. Damit steige die Inflationsgefahr.

Finanzkrise im Euroraum wirkt sich aus
«Die Eurokrise hat auch die Wirtschaft in Deutschland erfasst», sagte Joachim Scheide vom Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW). Die konjunkturelle Expansion werde in den letzten Monaten dieses Jahres schwach bleiben und erst im Verlauf des nächsten Jahres wieder leicht anziehen.

Für 2012 rechnen die Forscher mit einem Zuwachs des Bruttoinlandsprodukts von 0,8 Prozent und bleiben damit annähernd bei ihrer im April errechneten Prognose von 0,9 Prozent. Im vergangenen Jahr war die deutsche Wirtschaft noch um drei Prozent gewachsen.

Keine Verbesserung bei Arbeitslosigkeit und Inflation
Die Lage am Arbeitsmarkt werde sich kaum mehr verbessern. In diesem und im nächsten Jahr rechnen die Institute mit jeweils rund 2,9 Millionen Erwerbslosen und einer Quote von 6,8 Prozent. Fachkräfte würden weiter gesucht. Unternehmen dürften versuchen, ihr Personal zu halten, aber etwa auch Überstundenkonten abbauen.

Die Inflationsrate in Deutschland sehen die Forscher in diesem Jahr bei 2,0 Prozent und im kommenden Jahr bei 2,1 Prozent. Im Euro-Raum nehme die Gefahr, dass es mittelfristig zu einer stärkeren Geldentwertung kommen könnte, allerdings zu, warnten die Experten. Mit der Bereitschaft der EZB zu Anleihekäufen könnte die Preisstabilität als Grundpfeiler der Währungsunion ins Wanken geraten. Eine galoppierende Inflation mit zweistelligen Raten sehe aber niemand, sagte Scheide.

Andere Strategie als EZB
Mit Blick auf das Euro-Krisenmanagement halten die Institute wachstumsfördernde Reformen sowie Haushaltskonsolidierung weiter für «den Königsweg, um das Vertrauen in die Nachhaltigkeit der Staatsfinanzen in den Krisenländern wieder herzustellen». Sie bekräftigten ihre Empfehlung, ein Instrumentarium für die Insolvenz von Krisenstaaten vorzubereiten.

Merkel will Binnenmarkt ankurbeln
Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel setzt angesichts der getrübten Wachstumsaussichten auf eine Stärkung des Binnenmarkts. «Deshalb haben wir durchaus an einigen Stellen auch Senkungen von Steuern zum Beispiel im Blick», sagte Merkel in Berlin. Konkreter wurde die Kanzlerin beim Thema Steuern nicht.

Merkel sagte, die schwarz-gelbe Koalition wolle alles tun, damit der Binnenkonsum gut laufe. Angesichts eines gesamtstaatlichen Defizits deutlich unter drei Prozent sei es «jetzt auch unsere Aufgabe, etwas zu tun für die Belebung der Wirtschaft in Europa». Wenn es in Deutschland ein gutes Konsumverhalten gebe, «hat das den Vorteil, dass wir natürlich auch Importe aus anderen Ländern der EU gut aufnehmen können».

Mit der Prognose für 2013 liege Deutschland im Eurobereich recht weit vorne, sagte sie weiter. «Aber wir spüren auch, dass die einbrechenden Wirtschaften in einigen Euroländern natürlich auf uns auch Einfluss haben.»

Schwächelnde Exporte auffangen
Der deutsche Exportanteil in die Eurozone liegt bei 40 Prozent, in die EU gehen insgesamt 60 Prozent der Ausfuhren. Wenn es nun im asiatischen Bereich Abschwächungstendenzen gebe, «ist Deutschland davon natürlich nicht entkoppelt». Dies sei bisher gut durch den Binnenkonsum aufgefangen worden. «Aber insgesamt kann Deutschland auch nur so gut Motor sein, wie die anderen dann nachziehen.»

Das Gutachten im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums hat eine Gruppe von acht Instituten erstellt, darunter auch das ifo-Institut München, das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung in Mannheim, das Institut für Wirtschaftsforschung Halle und das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung in Essen. (wedj;lin, dpa)

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