Wirtschaftspresse muss Gürtel enger schnallen
Auch bei der NZZ sind in den letzten Jahren die Anzeigenerträge eingebrochen. (Archiv Keystone)
Von Medienredaktor Rafael von Matt
Ausgerechnet die bankennahen Wirtschaftszeitungen leiden besonders unter der Krise des Bankenplatzes. Sie hängen bei den Inseraten am stärksten am Tropf der Banken.
Peter Fischer leitet die Wirtschaftsredaktion der Neuen Zürcher Zeitung, das Blatt, das sich für seinen Wirtschaftsteil rühmt. Er ist besorgt: «Wir haben in den letzten gut zehn Jahren etwa die Hälfte der Anzeigenerträge verloren.»
Ähnlich düster klingt es bei Mark Dittli, dem Chefredaktor der «Finanz und Wirtschaft». 60 Prozent der Einnahmen kommen aus Inseraten, fast alle aus dem Finanzsektor. «Die Banken müssen sparen. Da wird auch in der Werbung gespart», sagt Dittli.
Die Einnahmen seien deutlich unter dem Niveau wie vor vier Jahren. Deshalb müssten die Kosten gesenkt werden. Konkret heisst dies: 8 der 45 Stellen bei der «Finanz und Wirtschaft» werden gestrichen. Die Krise des Finanzplatzes trifft jene Titel besonders hart, die sich an ein Fachpublikum richten - wie eben die «Finanz und Wirtschaft».
Hochglanz und Luxus
Weniger stark betroffen sind Titel, die sich an ein breiteres Publikum richten, wie zum Beispiel das Hochglanz-Wirtschaftsmagazin «Bilanz» des Axel-Springer-Verlags. Die Bilanz sei breiter aufgestellt, erklärt Thomas Garn, Leiter der Wirtschaftstitel bei Axel Springer. «Dadurch sind wir nicht ganz so abhängig von den Finanzmärkten.»
Aber auch bei Axel Springer muss man sparen - vor allem beim Börsenmagazin «Stocks». Das Heft erscheint nur noch monatlich, statt wie früher 14-täglich.
Ausweg PayWall
Dramatische Einbrüche bei den Inseraten sind das eine, sinkende Leserzahlen das andere. Hier kommt für die Wirtschaftstitel erschwerend hinzu, dass Leser auf Gratis-Internetportale abwandern und dass Tageszeitungen wie der Tages-Anzeiger oder der Blick ihre Wirtschaftsberichterstattung ausgebaut haben und mehr Wirtschaftsthemen abdecken. Es braucht heute also mehr, um sich abzuheben.
Nun werden dringend Auswege aus der Krise gesucht: die NZZ und die «Finanz und Wirtschaft» setzen vor allem auf ihre Kompetenz und auf die Bereitschaft der Leser, künftig mehr zu bezahlen für die journalistischen Leistungen. Beide Zeitungen haben vor kurzem ein Bezahlmodell im Internet eingerichtet, eine so genannte PayWall. Bei der NZZ geht man davon aus, dass die Abopreise noch deutlich steigen dürften.
Kooperationen
Einen anderen Weg geht Cash. Früher eine populär gemachte Wirtschaftswochenzeitung, heute ein Online-Portal. Laut dem Medienunternehmer Bruno Affentranger, der früher bei Cash in der Chefredaktion sass, ist es ein interessanter Weg: «Cash ist mit einer Bank zusammen gegangen», sagt Affentranger. Sie biete heute Informationsvermittlung und gleichzeitig Kontoeröffnung und –führung an.
Die einen bieten also einen Gemischtwarenladen an, die anderen positionieren sich als Premiumprodukt mit einem entsprechenden Preis. Ob diese Wege aus der Krise führen, ist jedoch offen. (fors)
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