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Sonntag, 14.10.2012

Plagiatsvorwürfe gegen Schavan erhärten sich

Neuer Plagiatsvorwurf in Berlin: Nach dem Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg ist nun Annette Schavan unter Beschuss. Ein Gutachten kritisiert die Doktorarbeit der deutschen Bildungsministerin.

Annette Schavan unter Beschuss. (Archiv Keystone)

Plagiatsvorwürfe gegen Schavan erhärten sich

Die Plagiatsvorwürfe gegen Annette Schavan erhärten sich. Ein Gutachten kritisiert die Doktorarbeit der deutschen Bildungsministerin.

Beitrag aus Echo der Zeit vom Sonntag, 14.10.2012, 18.00 Uhr, DRS 1 und DRS 4 News

Von Deutschlandkorrespondent Casper Selg

Annette Schavan ist eigentlich eine sehr bedachte, ruhige und präzis argumentierende Person. Eine Frau, die sich von den ständigen Aufgeregtheiten im politischen Alltag nicht anstecken lässt.

Sie ist Erziehungswissenschafterin, hat zudem Philosophie und Theologie studiert. Aufgrund all dessen und weil sie schon in Baden-Württemberg Erziehungsministerin gewesen war, galt sie als ideale Besetzung für das Amt der deutschen Ministerin für Bildung und Wissenschaft.

Enge Vertraute Merkels
Dieses Ministerium führt sie seit 2005, weitgehend unbestritten. Sie ist nicht nur Erziehungs- und Wissenschaftsministerin, sie gilt auch als eine der engsten Vertrauten von Angela Merkel.

Im Mai diesen Jahres wurde bekannt, dass diejenigen, welche auf der Website Vroniplag schon die Dissertation des Verteidigungsminister zu Guttenberg unter die Lupe genommen hatten, sich auch mit derjenigen von Schavan auseinander gesetzt haben. Sie fanden zwar Unregelmässigkeiten, kamen aber mehrheitlich zum Schluss, diese wissenschaftlichen Unsauberkeiten rechtfertigten nicht eine Publizierung des Falles.

Einer der anonymen Kritiker war damit aber nicht einverstanden. Er führte seine Recherche weiter. Dies rief die Universität Düsseldorf, die Schavans Dissertation 1980 angenommen hatte, auf den Plan. Sie beschloss, den Fall selber zu untersuchen.

Spiegel liegt Gutachten vor
Dieses Verfahren ist noch nicht abgeschlossen. Der deutschen Zeitschrift «Spiegel» liegt aber das Gutachten vor, welches ein Wissenschafter zu Handen der Fakultät erstellt hat.

Dieses kommt zum Schluss, dass in der Dissertation Schavans zwar nicht fremde Erkenntnisse abgeschrieben und als die eigenen dargestellt worden seien. Schavan habe aber mehrfach über Werke geschrieben und geschlussfolgert, die sie selber offensichtlich nicht gelesen, sondern nur über Sekundärliteratur zur Kenntnis genommen habe. Auch ein wissenschaftliches Fehlverhalten, wenn auch weniger gravierend.

Heikle Entscheidung
Das muss nicht unbedingt zum Entzug der Doktorwürde führen. Dieser Entscheid wird in den nächsten Wochen fallen. Aber es reicht, um die Reputation einer Frau in Frage zu stellen, die ausgerechnet für den Wissenschaftsbetrieb und dessen Integrität verantwortlich ist.

Sie selber und ihre Chefin Angela Merkel werden in den nächsten Tagen vor einer heiklen Entscheidung stehen. Politische Erwägungen werden Gewissensfragen gegenüberstehen. Da könnte Shavans Dissertation wieder helfen. Ihr Titel: «Person und Gewissen - Studien zu Voraussetzungen, Notwendigkeit und Erfordernissen heutiger Gewissensbildung.» (fors)

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