Cablecom gibt 55 digitale Sender frei
Die Aufhebung der Grundverschlüsselung könnte ein Wettbewerbsvorteil für UPC Cablecom werden. (Keystone Archiv)
Per Anfang kommenden Jahres hebt Cablecom die Grundverschlüsselung für 55 Sender im Digitalfernsehen auf. Damit gibt es im Grundangebot auch keine Notwendigkeit für Set-Top-Box beziehungsweise Digicard mehr. Nötig für den Empfang ist ein Fernseher mit integriertem DVB-C-Empfänger. Weiterhin notwendig ist Zusatz-Equipment jedoch bei Angeboten, die das Grundangebot übersteigen.
Fernsehgeräte ohne Digitalempfänger können ab Januar 2013 mittels eines kostenlosen Umwandlers von Cablecom von der digitalen Senderpalette profitieren. Die Anschaffung des Gratis-Umwandlers sei freiwillig, betonte Koen Verwee vom Cablecom-Marketing.
Das bisherige analoge Cablecom-Grundangebot von derzeit 36 Sendern bleibt vorderhand bestehen. Eine künftige Reduktion sei allerdings absehbar, sagte CEO Eric Tveter vor den Medien. Ab Januar stellt das Unternehmen zudem allen Kabelabonnenten einen Internetanschluss von 2 Megabyte pro Sekunde ohne Mehrkosten zur Verfügung.
Moderater Kostenanstieg
Bisher kostete das digitale Grundangebot von Cablecom monatlich 31.40 Franken (27.40 Franken für den Kabelanschluss plus 4 Franken Abonnementsgebühr für das digitale Einstiegspaket mit 55 Sendern). Ab 1. Januar 2013 kostet der Kabelanschluss 28.40 Franken und ab 1. Januar 2014 29.05 Franken, wobei die gleiche Anzahl digitale Sender (inklusive HD) inbegriffen sind.
Die neuen Konditionen wurden im Rahmen einer Vereinbarung mit Preisüberwacher Stefan Meierhans festgelegt. Die neue Regelung gilt bis Ende 2015.
Für diejenigen Kunden, die das derzeit geltende digitale Grundangebot namens Mini mit 55 TV-Sendern für 4 Franken im Monat abonniert haben, wird das Angebot auf 70 Programme ausgebaut. Dies gilt auch für Kunden, welche einmalig 99 Franken für eine Digicard bezahlt haben.
Positive Reaktionen
Der Schweizer Konsumentenschutz (SKS) zeigte sich zufrieden über den Entscheid von UPC Cablecom, die Grundverschlüsselung aufzuheben. Damit werde eine seit langem bestehende Forderung des SKS erfüllt. Wichtig sei nun, dass die Firma die Kunden verständlich informiere und allfällige Abonnementswechsel unbürokratisch erfolgten. Nach Ansicht des SKS müssen auch Swisscom und Sunrise nachziehen.
Zufrieden ist auch Preisüberwacher Stefan Meierhans. Die Cablecom-Neuerung bringe einen «substanziellen Mehrwert» für die Grundangebotskunden, die auf digitales Fernsehen umsteigen. Der Wegfall der Set-Top-Box bringe zudem einen Stromspareffekt. Insgesamt sei die Preiserhöhung des Kabelanschlusses vertretbar.
Comparis: Alter Zopf abgeschnitten
Den Entscheid von Cablecom begrüsst auch der Internet-Vergleichsdienst Comparis. Endlich sei die Set-Top-Box nicht mehr Voraussetzung für digitales Fernsehen. Somit werde ein alter Zopf abgeschnitten. Nur wer Sendungen digital aufnehmen oder Filme auf Abruf schauen wolle, brauche weiterhin eine Box.
Laut Comparis hat die Sache aus Konsumentensicht jedoch auch einen Haken. Cablecom habe im Vergleich zu anderen Kabelnetzbetreibern «sehr hohe Grundgebühren». Immerhin erhielten die Cablecom-Kunden ohne Aufpreis einen schnelleren Internet-Zugang, heisst es weiter.
Bei Swisscom kein Thema
Bei Swisscom ist die Abschaffung der Grundverschlüsselung «aktuell kein Thema», wie Mediensprecher Olaf Schulze auf Anfrage mitteilte. Der Entscheid von Cablecom zeige, «dass der Wettbewerb spielt». Im Übrigen böten schon heute diverse Kabelanbieter TV-Angebote ohne Grundverschlüsselung an.
Michael Burkhardt, Chef der Sunrise-Kommunikation, wies auf darauf hin, dass bei Sunrise die Situation eine ganz andere sei: Sunrise biete alle Sender mit IPTV-Technik digital via Internet an. Die Frage der Grundverschlüsselung betreffe diesen Anbieter damit nicht. (wedj/bru, sda)
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