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Dienstag, 16.10.2012

Ära des Citigroup-Chefs Pandit endet schlagartig

Citigroup-Chef Vikram Pandit hat überraschend und mit sofortiger Wirkung sein Amt niedergelegt. Er stabilisierte die taumelnde US-Bank, baute sie um und machte sie wieder profitabel. Ein Streit mit dem Verwaltunsgrat soll Pandits Entscheid vorausgegangen sein.

Krempelte die Grossbank um: Vikram Pandits Abgang als Citigroup-Vorstandschef überrascht die Märkte. (Reuters)

Nach fünf Jahren an der Spitze der Citigroup reicht es Vikram Pandit. Viel hat der gebürtige Inder in dieser Zeit durchgemacht: Erst die Finanzkrise, dann die Proteste der «Occupy Wall Street»-Bewegung und schliesslich die Europäische Schuldenkrise. Er war dabei zumeist das nette Gesicht der Wall Street, äusserte als einer der wenigen Spitzenbanker Verständnis für die Bankenkritiker, begnügte sich sogar lange mit 1 Dollar Jahresgehalt. Nun geht er vollkommen überraschend.

«Ich habe beschlossen, dass es jetzt die richtige Zeit ist, dass jemand anderes das Ruder bei der Citigroup übernimmt», erklärte Pandit in New York. «Wir sind aus der Finanzkrise als eine starke Institution hervorgegangen.» Die Menschen werde er vermissen, gestand er ein. Doch er wisse die Citigroup in besten Händen, versicherte Pandit zum Abschied.

Streit über den Weg der Bank
Das «Wall Street Journal» berichtete zunächst ohne nähere Einzelheiten, dass Pandit nach einem Krach mit dem Verwaltungsrat über die Strategie und Leistung der Bank gegangen sei.

Sein Nachfolger ist Europachef Michael Corbat, ein Firmenveteran. Das werteten Beobachter als Zeichen der Kontinuität. Allerdings erklärte Corbat in einer internen Mitteilung an die Mitarbeiter, dass es «einige Veränderungen» geben werde. Er ging allerdings nicht ins Detail.

Der Sanierer
Der gebürtige Inder Pandit hatte im Dezember 2007 das Ruder bei der Citigroup übernommen und trat damals ein schweres Erbe an. Die Citigroup hatte sich wie so viele Konkurrenten am einbrechenden US-Hypothekenmarkt verspekuliert und musste in der Finanzkrise vom Steuerzahler mit 45 Milliarden Dollar vor dem Zusammenbruch bewahrt werden. Der einstige Stolz der Wall Street wurde zu einem Almosenempfänger.

Pandit musste einen radikalen Schnitt machen. Aus dem Finanzkoloss, der spekulierte und im Versicherungsgeschäft tätig war, sollte wieder eine klassische Bank werden. Pandit stiess Problemsparten ab, Zehntausende Stellen fielen weg. Das deutsche Privatkundengeschäft verkaufte er an die französische Genossenschaftsbank Crédit Mutuel; die einstige Citibank firmiert hierzulande nun unter Targobank. Durch den Umbau gelang der Citigroup die Wende. Sie verdient wieder Geld.

Citigroup hinkt der Konkurrenz hinterher
Allerdings ist die Bank weniger profitabel als die Konkurrenz von JPMorgan Chase oder Wells Fargo. Das schlägt sich im Börsenkurs nieder: Die Aktie kostet 36 Dollar, während es Anfang vergangenen Jahres noch 50 Dollar waren. Angesichts dessen musste sich Pandit auf der vergangenen Hauptversammlung im April herbe Kritik anhören. Die Aktionäre sprachen sich sogar gegen seinen Millionenbonus aus, den er nach langer Zurückhaltung beim Gehalt einforderte. Eine derartige Rebellion war ein Novum an der Wall Street.

Dennoch deutete zuletzt nichts auf einen Rücktritt hin. «Das ist total ungewöhnlich. Es gab keine Gerüchte, keine Hinweise», sagte Bankenkenner, Buchautor und Bloomberg-Kolumnist William Cohan. Erst am Vortag hatte die Bank ihre Zwischenbilanz fürs dritte Quartal vorgelegt. Die Aktie war leicht gestiegen.

Verbündeter dankt auch ab
Auch der fürs Tagesgeschäft zuständige Citigroup-Vorstand John Havens quittierte nun seinen Job. Er war ein langjähriger Weggefährte von Pandit. Verwaltungsratschef Michael O'Neill dankte Pandit dafür, dass er die Citigroup durch die Krise geführt habe: «Vikram hat das Unternehmen restrukturiert und rekapitalisiert, er hat unsere globale Aufstellung gestärkt und das Geschäft neu ausgerichtet.»

Die Citigroup konzentriert sich heute vor allem auf das klassische Bankgeschäft mit Krediten und Einlagen. Zweites Standbein ist ein geschrumpftes Investmentbanking. Die Bank ist in mehr als 160 Ländern aktiv und hat rund 200 Millionen Kunden.

Nachfolger Corbat sagte, die Citigroup stehe auf einem soliden Fundament. Corbat ist seit 29 Jahren im Unternehmen und hatte mehrere Top-Jobs inne. Bevor er für die Region Europa, Naher Osten und Afrika zuständig war, hatte er die Trennung der Problemsparten verantwortet. Davor war er Chef der Vermögensverwaltung. (prus, dpa)

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Mittwoch, 7.12.2011

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