Zurich Gruppe stellt 550 Millionen Dollar zurück
Kein konkreter Ausblick: Die angekündigten Rückstellungen der Zurich-Versicherung haben die Märkte negativ überrascht. (Keystone)
Die Zurich-Versicherung hat in ihrem Deutschland-Geschäft bei Schadenfällen mit ungenauen Daten hantiert. Die Kosten für Schadenfälle bei der Zurich-Versicherung dürften in den nächsten Jahren höher ausfallen als das Unternehmen bisher angenommen hat. Für das Deutschland-Geschäft stellt der Konzern daher rund 550 Millionen Dollar zurück, was den Gewinn drücken wird.
Nach Steuern schätzt die Zurich die Belastung auf 390 Millionen Dollar. Laut Marktbeobachtern kommt die Ankündigung des grössten Schweizer Versicherers überraschend. Am Mittwochmorgen verlor die Aktie in den ersten Handelsminuten in einem leicht schwächeren Markt 3,3 Prozent ihres Werts.
Reserven zu tief
Beobachter sagten, dass die bedeutende Belastung die Dividendenausschüttung schmälern könnte. Im Vorjahr hatte der Versicherer, der seit dem Frühling als Zurich Insurance Group firmiert, 3,77 Milliarden Dollar Gewinn gemacht und den Aktionären 17 Franken Dividende pro Anteilschein bezahlt.
Bei den Geschäften, die Zurich voraussichtlich mehr Schadenleistungen aufbürden werden als bisher angenommen, handelt es sich vor allem um Haftpflichtversicherungen mit einer langen Abwicklungsspanne. Das sind beispielsweise Haftpflichtversicherungen für Ärzte, Architekten oder Ingenieure.
Untersuchungen hätten gezeigt, dass die Reserven für solche Fälle zu tief seien, sagte ein Konzernsprecher. Die Zurich habe dafür bisher zu ungenaue Daten gehabt. Es seien nun Massnahmen ergriffen worden, um die Daten zu verbessern und detaillierter zu machen. Die Zurich nimmt dafür auch die Hilfe einer externen Beratung in Anspruch.
Der Rest lief wie erwartet
Die übrigen Geschäftsbereiche entwickelten sich dem Unternehmen zufolge im dritten Quartal wie erwartet. Zurich sieht sich im Hinblick auf die strategischen Ziele auf Kurs. Einen konkreten Ausblick gibt der gemessen an der Marktkapitalisierung nach der Allianz zweitgrösste europäische Versicherer allerdings nicht.
Zurich war Ende 2011 von seinem langfristigen Rentabilitätsziel – einer Eigenkapitalrendite (ROE) von 16 Prozent auf Basis des operativen Geschäftsgewinns – wegen des schwierigen Umfeldes abgerückt und peilt derzeit rund 14 Prozent an. Im zweiten Quartal waren es 10,9 Prozent. Der Quartalsabschluss soll am 15. November veröffentlicht werden.
Im zweiten Quartal hatte Zurich einen Gewinnrückgang um ein Fünftel auf 1,08 Milliarden Dollar verbucht. Anders als im Vorjahr gab es keine Beteiligungsverkäufe, die Geld in die Kasse spülten. Weil teure Grossschäden ausgeblieben waren, der Konzern nicht mehr benötigte Schadenreserven aufgelöst und gut an den Kapitalmärkten verdient hatte, übertraf Zurich damit dennoch die Erwartungen der Analysten. (prus;bru, sda/reuters)
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