Angst vor einem «Schwarzen Montag» bleibt
Fassungslos verfolgten die Passanten 1987 die Börsenkurse. (Keystone Archiv)
Von Wirtschaftsredaktor Philip Meyer
Die Börse kannte seit Anfang der 1980er Jahre nur eine Richtung: Nach oben. Und weil eigentlich alles rund lief, sah kaum jemand kommen, was an jenem Montag, dem 19. Oktober 1987, passierte.
Innerhalb von Minuten sackten die Kurse an der New Yorker Börse so dramatisch ab, dass Panik ausbrach. Verkaufsaufträge wurde Körbeweise an den Börsenring getragen. «Blutbad an der Wallstreet» titelten danach die Zeitungen. Der 19. Oktober 1987 ging als «Schwarzer Montag» in die Geschichte ein.
Der Kurssturz hatte auch massive Auswirkungen auf die europäischen Börsen. An der Schweizer Börse waren die Verluste wegen der verschobenen Handelszeit jedoch nicht so dramatisch.
Kurssturz trotz guter Wirtschaftslage
Am Tag danach rieben sich alle verwundert die Augen. Der damalige Präsident des Schweizer Börsenvereins, Nicolas Bär, verglich die Situation damals mit dem Crash von 1929. Der grosse Unterschied zu 1929 sei, dass die Wirtschaft überall gesund sei, die Konjunktur sei – anders als 1929 – zufriedenstellend, es gebe wenig Arbeitslosigkeit, stellte Bär immerhin fest.
Auslöser des Crashs waren 1987 aufgestaute Zukunftsängste der amerikanischen Börsenhändler. Das US-Handelsbilanzdefizit war rekordhoch. Die Inflation stieg so stark an, dass die US-Notenbank erstmals wieder die Zinsen erhöhte. Das Vertrauen in den Dollar sank.
Computer verkauften automatisch
Verstärkt wurde der Absturz durch die neuen automatisierten Handelssysteme. Computer entschieden aufgrund von mathematischen Modellen automatisch, ob sie kaufen oder verkaufen sollten. Und weil plötzlich alle Zeichen auf Verkaufen standen, lösten sie eine wahre Verkaufskaskade aus.
In der Sendung «Echo der Zeit» warnte der ehemalige deutsche Wirtschaftsminister Otto Graf Lambsdorff damals vor der ungeheuren Geschwindigkeit mit der das Geld durch die Welt bewegt werde.
«Da stehen wir vielleicht, zum ersten Mal in diesem Ausmass vor den möglichen negativen Folgen moderner Kommunikations- und Informationstechnik», sagte Lambsdorff 1987.
Computerpannen auch heute möglich
Seither hat sich aber nicht nur der Computerhandel durchgesetzt. Die gesamte Börse läuft fast überall auf der Welt heute elektronisch ab - und deutlich schneller. Im so genannten Hochfrequenzhandel, werden Tausende von Aktien in Sekundenbruchteilen gekauft und verkauft.
Deshalb warnen einige Experten vor einem nächsten grossen Crash. Die installierten automatischen Sicherungen, welche den Handel bei verdächtigen Kursschwankungen sofort vorübergehend stoppen, genügen ihrer Ansicht nach nicht. In der EU wird sogar über eine Einschränkung des Hochfrequenzhandels debattiert.
Denn die Panne beim Börsengang von Facebook sowie einige unerklärbare Kursstürze in den vergangenen Monaten zeigen: Die elektronische Börse bleibt eine risikoreiche Handelsplattform. (pet;luek)
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