Panzer und Tränengas nach Trauerfeier in Beirut
Demonstranten überwinden die Absperrungen zum Regierungsgebäude in Beirut. (Reuters)
Bei der Trauerfeier für den bei einem Anschlag ermordeten libanesischen Geheimdienstchef haben sich Demonstranten Strassenschlachten mit der Polizei geliefert. Die Polizei fuhr Panzer auf und setzte Tränengas ein, um die Angreifer zu stoppen. Über die Zahl der Verletzten gab es zunächst keine Angaben.
Regierung kritisiert
Der Konflikt in Syrien wird nun auch für den benachbarten Libanon zu einer Zerreissprobe. Die Anhänger der anti-syrischen Zukunftsbewegung wollen die Regierung zum Rückzug zwingen. Beobachter sehen die Drahtzieher für das Attentat, bei dem am Freitag der libanesische Geheimdienstchef Wissam al-Hassan starb, in Damaskus.
Das Attentat gefährdet den brüchigen Frieden im Libanon, da das Land - was die Haltung zum Regime in Syrien angeht - zutiefst gespalten ist.
Unweit der Trauerfeier kam es zu den heftigen Ausschreitungen mit Anhängern der anti-syrischen Zukunftsbewegung. Die Polizei setzte Tränengas ein, als nach Angaben von Augenzeugen Hunderte Demonstranten versuchten, den nahe gelegenen Regierungssitz zu stürmen. Dabei gab es mehrere Verletzte. Die Armee rückte an, um das Regierungsgebäude abzusichern.
Autobombe am Freitag
Bei der Explosion einer Autobombe im christlichen Viertel Ashrafijeh waren am Freitag acht Menschen getötet und mehr als 80 verletzt worden. Nach Ansicht von Beobachtern galt der Anschlag dem Geheimdienstchef, der der anti-syrischen Zukunftsbewegung nahestand. Viele sehen die Verantwortlichen für den Anschlag daher in Damaskus. Derzeit ist im Libanon ein pro-syrisches Bündnis an der Macht - dominiert von der schiitischen Hisbollah.
Al-Hassans Grab wird neben dem von Ex-Ministerpräsident Rafik Hariri sein, der 2005 ebenfalls bei einem Anschlag getötet worden war. Al-Hassan hatte Rafik Hariri als Sicherheitschef gedient. Wie bei al-Hassan wurde auch bei Hariri über eine Beteiligung Syriens an dem Attentat spekuliert. Beweise dafür gab es bislang jedoch nicht.
Unterstützung für die Regierung
Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon sagte bei Telefonaten mit Präsident Suleiman und Regierungschef Mikati der Regierung in Beirut seine Unterstützung zu. Er äusserte die Hoffnung, dass sich der Libanon nicht von «regionalen Ereignissen» beeinflussen lasse, wie ein Sprecher Bans am Samstag in New York mitteilte. Gemeint war damit der Bürgerkrieg im benachbarten Syrien.
Rücktritt angeboten
Mikati hatte Suleiman am Vortag seinen Rücktritt angeboten. Der Präsident bat ihn allerdings, vorerst im Amt zu bleiben. Der Ministerpräsident argumentierte: «Wir wollen kein Machtvakuum im Libanon.» Die Opposition besteht auf einem Rückzug der Regierung. (lin, dpa)
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