Sozialbericht: Generationen bleiben unter sich
Einträchtiges Beisammensein der Generationen in der Familie. Ausserhalb der häuslichen Umgebung ist das Zusammenleben zwischen Jung und Alt schon schwieriger. (Keystone Archiv)
Die jüngeren und die älteren Generationen kommen in der Schweiz weitgehend gut miteinander aus. Das legt der 4. Sozialbericht des Schweizer Kompetenzzentrums Sozialwissenschaften FORS und des Schweizerischen Nationalfonds (SNF) nahe. Er zeigt auf, dass die Familienbande über die Altersgrenzen hinweg wichtig ist.
So spiele die Solidarität innerhalb der Familie vorbildlich: «Man schaut zueinander, ist solidarisch», sagt Pasqualina Perriquello, Mitherausgeberin des Sozialberichts. Grosseltern hüteten Enkelkinder und würden ihre eigenen Kinder unterstützen – auch finanziell. Auf der anderen Seite würden viele Töchter ihre betagten Eltern pflegen.
Viele Junge kennen keine Alten
Doch ausserhalb der Familie leben junge und alte Menschen in verschiedenen Sphären. So haben beinahe 60 Prozent der jungen Erwachsenen keine Bekannten, die über 70 Jahre alt sind. Diese Distanz zwischen den Generationen könnte gemäss Bericht ein Grund sein für diffuse Ängste der Älteren vor der Jugend.
Rund 45 Prozent der Schweizer Seniorinnen und Senioren befürchten nämlich, dass Jugendliche die öffentliche Ordnung im Land gefährden. Demgegenüber fühlen sich Junge stärker diskriminiert als Senioren. Studien-Mitautorin Perriquello spricht in diesem Zusammenhang von einer «uralten Generationenfrage», die sich nicht ohne weiteres aus der Welt schaffen lasse. Perriquello plädiert deshalb für einen Dialog zwischen den Generationen.
Wie der Bericht weiter zeigt, hat beinahe die Hälfte der unter 30-Jährigen schon Altersdiskriminierung erfahren. Die Jungen haben beispielsweise das Gefühl, ihnen würden aufgrund ihres jugendlichen Alters Stellen verwehrt.
Hohe Sozialausgaben für die Alten
Auch die Sozialausgaben deuten laut Bericht auf eine Diskriminierung der jüngeren Generation hin. 45 Prozent der Sozialausgaben des Staates werden für die Älteren geleistet - ein europaweiter Rekord. Die Sozialausgaben zugunsten der Jungen, beispielsweise Kinderzulagen, betragen hingegen nur 5 Prozent.
Vor diesem Hintergrund müsse «eine gewisse Generationensolidarität wieder zurücklaufen», fordert etwa David Roth, der 27-jährige Präsident der Jungsozialisten. Und Maurus Zeiler, Co-Präsident der Jungfreisinnigen, stellt fest: «Die Alten beziehen immer mehr und die Jungen finanzieren sie.» Das werde dereinst zu grossen Problemen in den Sozialversicherungen führen.
Politisch engagierte junge Generation
Der Sozialbericht 2012 verweist zudem die Mär der heutigen apolitischen Jugend ins Reich der Vorurteile. «Zwar ist die Wahlbeteiligung junger Menschen tiefer als jene der älteren. Aber die jungen Erwachsenen von heute gehen häufiger wählen, als es junge Erwachsene vor 20 oder 40 Jahren getan haben», halten die Autoren fest. Die Abstimmungsbeteiligung der jungen Generation sei sogar gleich hoch wie jene der 40- bis 45-Jährigen. (wedj/pet;bru, sda)
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