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Dienstag, 23.10.2012

BKB-Chef geht wegen mutmasslicher Betrugsaffäre

Der Chef der Basler Kantonalbank, Hans Rudolf Matter, tritt im Zuge der mutmasslichen Betrugsaffäre um die Vermögensverwaltungsfirma ASE zurück. Deren Chef ist weiter in U-Haft. 100 Millionen Franken von BKB-Kunden sind verschwunden.

BKB-Chef Hans Rudolf Matter (l.) geht im Zuge der ASE-Affäre: « ... zu stark vertraut». Zusammen mit Bankratspräsident Andreas Albrecht vor den Medien in Basel. (Keystone)

Chef der Basler Kantonalbank tritt zurück

BKB-Chef Hans Rudolf Matters Rücktritt erfolgt im Zusammenhang mit dem mutmasslichen Anlagebetrug bei der ASE Investment. Mehrere Hundert ASE-Kunden mit einem Konto bei der Basler Kantonalbank dürften Verluste in dreistelliger Millionenhöhe erlitten haben. Bericht von der Medienkonferenz, Hintergründe und eine Einordnung.

Beitrag aus Rendez-vous vom Dienstag, 23.10.2012, 12.30 Uhr, DRS 1, DRS 2, DRS 4 News und DRS Musikwelle

Schwer kontrollierbare Vermögensverwalter

Nach dem Rücktritt des Basler Kantonalbank-Chefs wird wieder einmal klar, dass es in der Schweiz schwierig ist, unabhängige Vermögensverwalter zu kontrollieren. Das könnte sich aber bald ändern.

Beitrag aus Echo der Zeit vom Dienstag, 23.10.2012, 18.00 Uhr, DRS 1 und DRS 4 News

Der mutmassliche Anlagebetrugsfall ASE Investment AG kostet den Konzernchef der Basler Kantonalbank, Hans Rudolf Matter, das Amt. BKB-Kunden erlitten Verluste von 100 Millionen Franken. Die Bank will sich gütlich mit den Geschädigten einigen, verneint aber eine Haftpflicht .

Matter begründete seinen Rücktritt am Dienstag vor den Medien in Basel mit seiner Gesamtverantwortung für das operative Geschäft. Er habe als CEO Personen und Abklärungen zu stark vertraut und wegen paralleler Grossprojekte zu viel delegiert. Zudem habe ihm für die kriminelle Energie der ASE «ganz einfach die Phantasie gefehlt».

Matter lässt sich auf Ende Jahr frühpensionieren. Nachfolger ad interim wird sein Stellvertreter Guy Lachappelle. Als Leiter Firmenkunden und Institutionelle kenne dieser den Fall gut, habe auch mit deren Chef Kontakt gehabt und sich nun stark für die Aufarbeitung eingesetzt, sagte BKB-Bankratspräsident Andreas Albrecht.

Absurde Gewinnversprechungen
Die BKB hatte den Fall im März mit einer Strafanzeige gegen die ASE mit Sitz im aargauischen Frick selber ins Rollen gebracht, nachdem faule Kontoauszüge aufgefallen waren. Jetzt belegt der Bericht einer extern bestellten Untersuchung, dass die ASE wohl systematisch und in strafbarer Weise Kunden geschädigt habe.

So verschob die ASE, die mit Mond-Renditen von 18 Prozent Kundschaft angelockt hatte, laut Matter Gelder zwischen Kunden-Konten in verschiedenen Währungen, um fiktive Gewinne auf Franken-Konten auszuweisen. Die Strafuntersuchung läuft noch; der ASE-Chef sitzt weiter in Untersuchungshaft.

Laut Matter ist das ASE-Geld heute unauffindbar. Bei Kunden mit BKB-Konten seien Verluste von über 100 Millionen Franken entstanden, plus Gebühren und Kosten. Insgesamt seien 620 ASE-Kunden zur BKB gekommen, die im Schnitt 100'000 bis 200'000 Franken durch die ASE verwalten liessen - wer indes bis 2011 vorzeitig ausstieg, habe all sein Geld bekommen. Die BKB ist nicht die einzige in den Fall ASE involvierte Bank; insgesamt vermutet man Verluste von rund 300 Mio. Franken.

Relativiertes Kulanz-Versprechen
Die BKB verspricht Kulanz, anerkennt aber keine Haftungspflicht. Eine Summe für ihre Schadensbeteiligungen soll laut Matter Ende Jahr absehbar werden. Diese würden den Reserven für allgemeine Bankrisiken entnommen und belasteten so das Jahresergebnis nicht.

Auch wenn die BKB die Risiken hätte besser erfassen und begrenzen sollen, habe die Kundschaft auch erhebliche Eigenverantwortung, hiess es: Sie habe ja die ASE gewählt und mandatiert sowie auf Beratung und Überwachung durch die BKB verzichtet.

Die ASE hatte namentlich bei der Zürcher Private-Banking-Filiale der Basler Kantonalbank für ihre Kunden Konten eröffnet. Gemäss Untersuchungsbericht hätten dort Verantwortliche der ASE zu stark vertraut, vor allem nach einem kritischen Artikel im Konsumentenmagazin «K-Geld» vom Januar 2010. Interne Anordnungen seien zu langsam umgesetzt worden.

Köpferollen in Zürich
Die Leitung der Zürcher Private Banking-Abteilung der BKB habe ihre Aufsichts- und Kontrollverantwortung zu wenig wahrgenommen. Die BKB hat drei Angestellte in Zürich entlassen; vier weitere erhielten schriftliche Verwarnungen. Für strafbare Handlungen seitens der BKB gebe es keine Anzeichen, betonten Matter und Albrecht.

Der Untersuchungsbericht stelle zudem fest, dass 2010 getroffene Massnahmen zur Steuerung der Rechts- und Reputationsrisiken aus ihrer Geschäftsbeziehung zur ASE aus bankregulatorischer Sicht ungenügend waren. Dennoch bestehe für ihre bankinterne Organisation «kein Handlungsbedarf», zitiert die BKB den Bericht.

Die BKB habe bereits bei einer Neuausrichtung des Private Banking Geschäftes ab 2011 unter anderem ihren Umgang mit externen Vermögensverwaltern geändert. Von einigen habe sie sich getrennt. Am Standort Zürich seien das Vergütungssystem von den Erfolgszahlen entkoppelt und ein neuer Private Banking-Leiter eingesetzt worden.

Insgesamt sind bei der Zürcher Filiale laut Matter rund 1,5 Milliarden Franken Vermögen wegen der neuen Vorgaben und der Trennung von US-Kunden abgeflossen. An jenem Standort mit neuem Fokus auf die Schweiz würden heute noch knapp 5 Milliarden Franken Vermögen von 35 Angestellten betreut. Die Zürcher Filiale aufzugeben, bestehe kein Anlass, sagte Albrecht. (bru, sda)

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Dienstag, 23.10.2012

Kantonalbank-Chef Hans Rudolf Matter tritt zurück

Wegen des mutmasslichen Anlagebetrugsfalls ASE Investment AG tritt der Chef der Basler Kantonalbank (BKB), Hans Rudolf Matter, zurück. In der Basler Politik löst der Rücktritt Forderungen aus, die BKB müsse nun Vertrauen zurück gewinnen.  Mehr

Beitrag (4:06)


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