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Dienstag, 23.10.2012

Grosser Bahnhof in Gaza für den Emir von Katar

Der Emir von Katar ist im Gazastreifen von Hamas-Führer Ismail Hanija empfangen worden. Es ist das erste Mal seit der Machtübernahme der radikal-islamischen Hamas, dass ein Staatsoberhaupt dorthin reiste. Der Besuch ärgert Israel.

Die Frau des Emirs (links) spricht mit Hamas-Führer Hanija, während der Emir (rechts) die Konversation mitverfolgt. (Keystone)

Der Emir von Katar und die Islamisten in Gaza

International ist der Gazastreifen mehr oder weniger isoliert seit 2007 die islamistische Hamas die Macht übernommen hat. Der Emir von Katar hat am Dienstag Schulen und Spitäler eingeweiht und weitere Hilfe versprochen - nicht nur aus Nächstenliebe.

Echo der Zeit vom Dienstag, 23.10.2012, 18.00 Uhr, DRS 1 und DRS 4 News

Karte: Gazastreifen

Grosser diplomatischer Erfolg für die Hamas: Der Emir von Katar hat den Gazastreifen als erstes Staatsoberhaupt seit der Machtergreifung der radikalislamischen Organisation vor fünf Jahren besucht.

Scheich Hamad bin Chalifa al-Thani, der ein traditionelles weisses Männergewand trug, wurde in dem verarmten Palästinensergebiet am Mittelmeer begeistert empfangen.

«Historisches Ereignis»
Hamas-Führer Ismail Hanija begrüsste den Gast aus dem reichen Golfstaat am Grenzübergang Rafah nach Ägypten; beide schritten gemeinsam feierlich über einen roten Teppich. Der Emir, der mit seiner Ehefrau Scheicha Mosa und einer Delegation kam, weihte bei seinem mehrstündigen Aufenthalt weitere katarische Hilfsprojekte ein.

Der Besuch des Emirs sei ein «historisches Ereignis» und andere arabische Staatschefs sollten seinem Beispiel folgen, sagte Hanija. «Mit diesem Besuch erklären wir die politische und wirtschaftliche Blockade des Gazastreifens für gebrochen und besiegt.»

400 Millionen Dollar für den Gazastreifen
Der Emir habe sich verpflichtet, 400 Millionen Dollar in den Wiederaufbau des Palästinensergebiets am Mittelmeer zu investieren. In Chan Junis im südlichen Gazastreifen legte der Gast den Grundstein für eine Wohnanlage, die nach ihm benannt werden soll.

Der Emir seinerseits äusserte Bedauern über das fortwährende Leid des palästinensischen Volkes. Die «Standhaftigkeit des palästinensischen Volkes gegen die israelische Aggression» während des Gaza-Kriegs im Jahre 2009 habe als Vorbild für den arabischen Frühling gedient, sagte der Emir, nachdem ihm die Universität Gaza die Ehrendoktorwürde verlieh.

Er äusserte die Hoffnung auf eine rasche innerpalästinensische Versöhnung: «Warum setzen die Palästinenser sich nicht heute zusammen, beenden ihre Spaltung und schliessen sich zusammen?», fragte er.

Kritik aus dem Westjordanland
Der Besuch des einflussreichen arabischen Führers wurde als klare Errungenschaft der Hamas gewertet. Sie gilt im Westen als Terrororganisation und ihre Herrschaft im Gazastreifen wird international nicht anerkannt.

Bei den gemässigten Kräften um Palästinenserpräsident Mahmud Abbas im Westjordanland stiess die Visite auf deutliche Kritik. Eine Vertiefung der Spaltung zwischen dem Gazastreifen und dem Westjordanland sei «sehr gefährlich», warnte PLO-Sekretär Jasser Abed Rabbo. Die Hamas hatte die Fatah von Abbas im Juni 2007 in einem Bruderkrieg im Gazastreifen entmachtet. Versöhnungsbemühungen kamen über Absichtsbekundungen nicht hinaus.

...und aus Israel
Israel kritisierte den Besuch scharf. Es sei merkwürdig, dass der Emir sich auf die Seite der Hamas schlage, die für Gewalt stehe, sagte ein Sprecher des Aussenministeriums in Jerusalem. «Sein Geld wird nicht Palästinensern und Israelis dabei helfen, in Frieden zu leben, sondern in den Taschen der korrupten Hamas-Leute enden», sagte Sprecher Jigal Palmor.

Im Gazastreifen war es zuletzt erneut zu einer Eskalation der Gewalt gekommen. Israel reagierte auf Raketenangriffe militanter Palästinenser mit tödlichen Luftschlägen. Kurz vor der Ankunft des Emirs wurde am Dienstag ein israelischer Soldaten bei einem Anschlag am Grenzzaun schwer verletzt. Während seines Besuchs hielt Israel sich jedoch mit einer Reaktion zurück. (pet, dpa)

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