Aufwärtskurs der Schweizer Konjunktur gestoppt
Sorgenkind: Die Industrie, besonders der Maschinenbau, leidet unter der schwachen Weltkonjunktur. (Keystone)
Das Konjunkturbarometer der Konjunkturforschungsstelle KOF der ETH Zürich zeigt im Oktober abwärts. Das Barometer sank nach KOF-Angaben um 0,01 Punkte auf 1,67. Das ist der erste Rückgang seit Januar.
Damals hatte das Konjunkturbarometer mit -0,15 Zählern den tiefsten Stand seit über zwei Jahren erreicht und war seither bis auf (revidierte) 1,68 Punkte im September gestiegen. Trotz der jetzigen Stagnation dürfte das Bruttoinlandprodukt in den nächsten Monaten im Vergleich zum Vorjahr weiter zulegen, schreibt die KOF in einem Communiqué.
Baubranche erreicht Zenit
Positiv zur Konjunkturentwicklung trage nach wie vor der Konsum bei, während bei den Exporten eine Stagnation zu beobachten sei. Leicht negativ sei die Lage indes bei der Schweizer Industrie und beim Bau – aus unterschiedlichen Gründen.
«Die Baubranche befindet sich einer in Hochkonjunktur. Sie wird bald den Zenit erreichen, weil sie nicht weiter gesteigert werden kann», sagt KOF-Leiter Jan-Egbert Sturm gegenüber Schweizer Radio DRS.
Der Grund für die Abwärtsbewegung in der Industrie ist indes ein anderer. «Die Industrie, besonders der Maschinenbau, ist eher skeptisch, was auch mit der schwächelnden Weltkonjunktur zusammenhängt», sagt Sturm. Schliesslich sei die Schweizer Wirtschaft stark vom Export abhängig.
Das Kreditgewerbe zeige derweil weiterhin eine positive Dynamik, weil es den Banken insgesamt besser gehe.
Kritik vom Experten
Damit hielt sich das KOF-Barometer am oberen Rand der Erwartungen. Ökonomen hatten laut der Nachrichtenagentur AWP mit einem Wert zwischen 1,60 und 1,70 Punkten gerechnet.
Kritik kommt allerdings von Anlagespezialist Bernd Hartmann von der Liechtensteiner VP Bank: «Der aktuelle Indexstand stellt die Konjunkturaussichten in der Schweiz zu optimistisch dar», schreibt er in einem Kommentar.
Hoffnung liegt im Konsum
Die Schweiz werde sich vorerst nicht von der schwachen Wirtschaftsentwicklung in der Euro-Zone abkoppeln können. Trotz des beherzten Auftretens der Europäischen Zentralbank (EZB) bleibe das grundlegende Schuldenproblem der europäischen Randstaaten ungelöst. Die notwendigen Sparbemühungen der Länder würden das Wachstum in den kommenden Quartalen deutlich belasten.
Für die Schweizer Wirtschaft bestehe jedoch die Hoffnung, dass der private Konsum schon bald wieder ein signifikanter Wachstumstreiber werde. Zudem sollte der Aussenhandel davon profitieren, dass sich die deutsche Konjunktur innerhalb Europas als erste wieder beschleunigen dürfte. (prus;luek, sda)
Mehr zu den Stichwörtern:
